Von Freundschaft und Paranoia unter Männern

Beim Kaltstart-Festival glänzen Produktionen vom Schauspiel Hannover

Hamburg. Manchmal genügen einfachste Mittel, um einen Text zum Klingen zu bringen. Furios gelingt das beim Kaltstart-Festival dem Darstellerduo Philippe Goos und Camill Jammal. Sie sind "Mickybo und ich" im gleichnamigen Stück von Owen McCafferty. Zwei Freunde in Belfast, die das Schicksal einer unterschiedlichen Religion teilen - Katholik der eine, Protestant der andere - und das eines schwachen Vaters, Schürzenjäger der eine, Spieler der andere.

Gemeinsam träumen sie sich hinweg in Welten, in denen sie wie die Westernhelden "Butch Cassidy and the Sundance Kid" gegen die feindliche Außenwelt rebellieren. Aus der schnellschnittigen Produktion hat Regisseurin Hanna Müller eine eigene "Kneipenversion" entwickelt, die im Café des Kulturhauses III&70 aufs Beste funktioniert. Das Duo wechselt temporeich die Schauplätze, bespielt den Vorplatz, schwingt sich über Tore und übernimmt auch noch die Rollen von Nachbarn, Eltern und Gangmitgliedern, ohne in Karikaturen auszuarten.

Die Bälle werfen sich auch Dominik Maringer und Wolf List, ebenfalls vom Schauspiel Hannover, gekonnt zu. In Peter Lichts lakonischem, Bachmann-Preis-gekrönten Monolog "Die Geschichte meiner Einschätzung am Anfang des dritten Jahrtausends" lamentieren sie im Duett, auf einem wolkengemusterten Sofa sitzend, übers Unbehagen an der kapitalistischen Welt nach dem 9/11-Trauma. Übers "Schwimmen im Minusgeld". Effektvoll lassen sie Schaumstoffflugzeuge zu Enyas "Only Time" ins Sofa krachen, durchleiden die Apokalypse in den eigenen vier Wänden. Junge Theatermacher probieren sich aus - mit großer Lust, Verwegenheit und Gewinn.

Kaltstart Hamburg 2012 bis 14.7., Kulturhaus III&70, Schulterblatt 73; www.kaltstart-hamburg.de