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NDR-Intendant Lutz Marmor wird wohl nächster ARD-Vorsitzender

Foto: Patrick Piel

Viel spricht dafür, dass der Senderverbund ab 2013 abermals von Hamburg aus geführt wird: Wenn die Amtszeit von Monika Piel Ende 2012 endet.

Hamburg. Vor sieben Jahren lag der ARD- Vorsitz zuletzt beim NDR. Seinerzeit war der damalige Intendant Jobst Plog ARD-Vorsitzender. Nun spricht viel dafür, dass der Senderverbund ab 2013 abermals von Hamburg aus geführt wird: Wenn die Amtszeit der derzeitigen ARD-Vorsitzenden, der WDR- Intendantin Monika Piel, Ende 2012 ausläuft, ginge der Vorsitz turnusgemäß eigentlich auf den RBB über. Doch dessen Intendantin Dagmar Reim hat, wie es in ARD-Kreisen heißt, bereits abgewinkt. So läuft momentan alles auf den NDR hinaus. Zwar müssen die ARD-Intendanten noch im ersten Halbjahr 2012 offiziell über den künftigen Vorsitz des Senderverbundes befinden. Aber im Funkhaus an der Rothenbaumchaussee hat man sich schon auf alles vorbereitet.

Eine gute Vorbereitung ist auch vonnöten. Denn NDR-Intendant Lutz Marmor, der mutmaßliche künftige ARD-Vorsitzende, wird in den kommenden Monaten zwei seiner wichtigsten Mitarbeiter verlieren: Seine persönliche Referentin Julia Saldenholz verabschiedet sich im Frühjahr in die Elternzeit. Allerdings soll sie 2013 wieder in die Intendanz zurückkehren. Dann wird deren Leiter Martin Ganslmeier das Funkhaus bereits verlassen haben. Er geht im Sommer für den Hörfunk als Korrespondent nach Washington. Diesen Wechsel muss der NDR-Verwaltungsrat noch absegnen.

Auf die Mitarbeiter des ZDF kommen harte Zeiten zu. Weil der Mainzer Sender mehr Personal beschäftigt, als die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten erlaubt, muss er nun 75 Millionen Euro einsparen, was etwa 250 Stellen entspricht. Treffen wird es vor allem freie Mitarbeiter. Zittern muss aber nicht jeder: Beim Zweiten gibt es bei den Freien eine strenge Hierarchie. Zum sogenannten "ersten Kreis" zählen hoch bezahlte Moderatoren und Regisseure, für die tarifliche Regelungen ohne Belang sind. Die freien Mitarbeiter des "zweiten Kreises" sind fest angestellten Beschäftigten nahezu gleichgestellt. Angehörige dieser beiden Kreise müssen nicht um ihren Job bangen. Anders sieht es bei den etwa 1000 Beschäftigten des "dritten Kreises" aus, den ganz normalen Freien. Sie müssen fürchten, dass ihre Verträge verkürzt werden, wenn man sich nicht gleich ganz von ihnen trennt. Zwar will der Sender ab Mitte Januar mit dem Personalrat auch eine neue Vorruhestandsregelung verhandeln. Zudem gilt seit Oktober ein Einstellungsstopp. Dennoch ist damit zu rechnen, dass die ganz normalen Freien vom Personalabbau am stärksten betroffen sein werden.

Erstaunliches tut sich derzeit im Nachtprogramm des NDR Fernsehens. Gegenwärtig laufen dort Produktionen, mit denen es sich eigentlich im kommenden Jahr profilieren will. Zu ihnen zählt etwa die neue Serie "Der Tatortreiniger", in welcher der als "Ernie" aus "Stromberg" bekannte Björn Mädler eine Reinigungskraft gibt, die blutverschmierte Schauplätze von Verbrechen schrubbt. Für sie trommeln derzeit PR-Kräfte des NDR bei Medienredakteuren. Angeblich soll die erste Folge am 4. Januar zu sehen sein. Tatsächlich ist sie bereits in der Nacht von Donnerstag auf Freitag um 3.20 Uhr gelaufen. Für diese seltsame Programmierung hat eine NDR-Sprecherin eine überraschende Erklärung: "Im Weihnachtssonderprogamm ist es unser Ehrgeiz, möglichst viele Zuschauer zu erreichen", sagt sie. "Daher strahlen wir Premieren auch vorab in der Nacht aus." Laut NDR-Mitarbeitern sind die seltsamen Sendeplätze aber auf Etatgründe zurückzuführen: Nur wenn eigentlich für 2012 geplante Produktionen noch 2011 ausgestrahlt würden, könnten sie für dieses Jahr abgerechnet werden. Dies wird von der Sprecherin bestritten: "Die Mittel könnten gegebenenfalls ins kommende Jahr übertragen werden", sagt sie.

Diese Kolumne legt eine kurze Weihnachtspause ein. Ihre nächste Ausgabe erscheint am 7. Januar.

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