Irans Popdiva im Hamburg-Exil

Die Sängerin Googoosh mischt bei ihrem Konzert in der O2 World orientalische Rhythmen mit Jazz und Disco

O2 World. Als die Mullahs kamen, war es vorbei mit der Karriere von Googoosh. Jedenfalls 21 Jahre lang. Im Jahr 2000 durfte die iranische Sängerin ihr Heimatland verlassen und auf einer Welttournee zum ersten Mal wieder singen. Die Konzerte wurden zum Triumphzug, sie verkaufte riesige Hallen in Kanada und den USA aus. Gleichzeitig war es auch der Abschied aus dem Iran. Inzwischen lebt Googoosh in Kalifornien in der Nähe ihres einzigen Sohnes und seiner Familie.

Die Karriere der 1950 in Teheran geborenen Sängerin begann bereits im Alter von drei Jahren. Mit ihrem Vater Saber Atashin, ein Akrobat und Künstler, stand sie gemeinsam auf der Bühne und avancierte schnell zum Kinderstar. In den 60er- und 70er-Jahren kreierte die Sängerin eine neue Form persischer Popmusik, in dem sie orientalische Rhythmen mit Blues, Jazz, Rock und Disco mischte. Damals, unter der Herrschaft von Schah Reza Pahlavi, war der Iran sehr stark westlich ausgerichtet, amerikanische und europäische Musik und Mode waren in Teheran und den großen Städten des Landes en vogue.

Googoosh war damals schon ein Star. Und das nicht nur in ihrer Heimat, sondern auch auf verschiedenen Festivals in Europa, weil sie ihre Pop-Chansons auf Italienisch, Französisch und Spanisch singen konnte. Sie gewann Preise auf der Musikmesse Midem in Cannes, wurde beim Festival von San Remo gefeiert und hatte mit dem Song "Desde hace tiempo" 1973 in Südamerika einen Riesenhit. Auch als Schauspielerin versuchte sich Googoosh. Zusammen mit ihrem zweiten Ehemann Behrouz Vosoughi drehte sie einige Filme. Mitte der 70er-Jahre galten beide als das Traumpaar Persiens.

Doch dann kam 1979 die Iranische Revolution. Schlagartig änderte sich das gesellschaftliche und politische Leben im Iran. Religiöse Eiferer übernahmen die Macht, schafften die Monarchie ab und errichteten einen schiitischen Gottesstaat. Popkultur und westliche Mode wurden von den neuen Machthabern verboten. Viele Iraner verließen damals ihre Heimat, aber Googoosh blieb im Iran. Zwar durfte sie nicht mehr auftreten, doch sie passte sich den geänderten Lebensbedingungen an. Obwohl sie zum Schweigen verurteilt war, waren viele Bootlegs von ihren Liedern in Umlauf, sodass sie nie ganz in Vergessenheit geriet.

Es dauerte bis zum Jahr 2000, bis Googoosh den Iran verließ und wieder auf einer Bühne stand. Am 29. Juli 2000 füllte sie das 20 000 Zuschauer fassende Air Canada Centre in Toronto. Die triumphale Comeback-Tour endete im März 2001 in Dubai. Viele Iraner kamen dorthin, weil sie Angst hatten, dass dies der letzte Auftritt von Googoosh sein würde. "Es hat sich angefühlt, wie in der Heimat zu singen", sagte sie. Doch die Sängerin kehrte nicht nach Teheran zurück. Seit zehn Jahren lebt sie in den USA und hat seither fünf neue Alben aufgenommen. Ein Star ist sie immer noch - nur eben im Exil.

Googoosh heute, 20.00, O2 World (S Stellingen + Bus 380), Sylvesterallee 2, Karten ab 56,85; www.googoosh.com