Rockmusik hören, Pinsel schwingen

Bildende Künstler ehren die legendäre Avantgarde-Band Can mit einer Ausstellung in Berlin

Berlin. Hamburgs Underground-Fans sollten dringend mit dem nächstbesten Zug nach Berlin reisen, um im Künstlerhaus Bethanien in der Kottbusser Straße in Kreuzberg die Ausstellung "Halleluhwah - Hommage à Can" zu sehen - sie schließt nämlich jetzt am Sonntag. Can, das war neben Kraftwerk die einzige Krautrock-Band der späten 60er, frühen 70er, die auch außerhalb Deutschlands jemand hören wollte. Zwei ihrer Mitglieder, der Keyboarder Irmin Schmidt und der Bassist Holger Czukay, waren Stockhausen-Schüler gewesen. Der Schlagzeuger Jaki Liebezeit kam vom Free Jazz und trieb sich die Neigung zu freejazziger Unübersichtlichkeit bei Can durch unfassbar präzises und hypnotisches Getrommel aus. Michael Karoli blieb mit seinem kreischend-intensiven Minimalismus an der E-Gitarre ein Solitär der Rockgeschichte, die beiden Sänger Malcolm Mooney und ab 1971 Kenji "Damo" Suzuki verströmten auf sehr unterschiedliche Weise eine Aura von Magie, Trance und Wahnsinn.

Der Ausstellungstitel "Halleluhwah" greift den Namen eines achtzehneinhalb Minuten dauernden Stücks von der Doppel-LP "Tago Mago" auf, die im November 1971 erschien und jetzt, als Can-Fan-Geschenk zum 40. Geburtstag, in einer liebevoll edierten und um eine wilde Live-Aufnahme von 1972 erweiterten Doppel-CD wiederveröffentlicht wurde (Spoon/Warner).

Der Bethanien-Geschäftsführer und Ausstellungskurator Christoph Tannert hat für die Schau auf zwei Stockwerken ein faszinierendes und inspirierendes Ensemble von Gemälden, Objekten und Video-Installationen zusammengetragen. Viele der Arbeiten entstanden erst in diesem Jahr, was darauf schließen lässt, dass Tannert die Künstler persönlich um ein Werk zum Thema Can bat. Wie ihre Wirkungsgeschichte die Lebensgeschichte der Band überdauert hat, lässt sich auch daran ablesen, dass einige der Künstler erst zur Welt kamen, als Can ihre beste Zeit schon lange hinter sich hatte.

Zu den eindrücklichsten Arbeiten gehört "Vitamin C" von Gregor Hildebrandt (Jahrgang 1974). Er schuf aus fieselig fugenlos aneinandergeklebten Kassettenbändern auf Leinwand, zweieinhalb mal anderthalb Meter, eine dunkle, seriell anmutende Komposition, deren energetische Verwandtschaft zum Sound der Band so evident ist, dass sie im betrachtenden Can-Kenner umstandslos das geistige Tonband der Erinnerung in Gang setzt. Daniel Richter, Eberhard Havekost und Norbert Bisky sind als prominenteste malende Can-Verehrer in der Ausstellung vertreten.

Das niedliche Objekt-Arrangement "Spoon Relicts" des holländischen Künstlerinnenkollektivs KimberlyClark versammelt auf einer Bassbox teilweise gebastelte, teilweise im Kaufhaus erworbene Gegenstände, die Bezug zu Songtiteln der Kölner Band haben ("Vitamin C", "Paperhouse" und, natürlich, einziger Hit: "Spoon"), Dieter Meier schuf ein lustiges Plakat.