Nette Bewohner gesucht

Maria Ursprung gibt mit Gert Jonkes "Insektarium" ihr Regiedebüt im Thalia

"Das ist ja beinahe entzückend, wie gern die Matratze sich seinem leichten Körper gleich entgegenbequemend nachgibt", sagt das Zimmer. Diese geschliffene Ansage eines personifizierten Raumes ist nur eine Metapher für die rare Verbindung von Sprachskepsis und Spielarten der konkreten Poesie, die der Autor Gert Jonke in seinem Stück "Insektarium" verschränkt. Maria Ursprung, Regieassistentin am Thalia-Theater, hat sich diesen Text des 2009 verstorbenen Autors ausgewählt, um ihre erste eigene abendfüllende Arbeit am 17. Dezember in der Garage des Thalia in der Gaußstraße herauszubringen. "Seine Sprache ist extrem poetisch und macht tolle Räume auf", sagt sie.

Wie in ein Terrarium voller Krabbeltiere blickt der Zuschauer hier in eine Wohnung. Ein Mann und eine Frau, gespielt von Josef Ostendorf und Oda Thormeyer, begegnen einander seltsam entfremdet. "Ich hätte öfter mit dir ins Konzert gehen sollen", sagt er einmal. In einer Episode wird eine Stubenfliege zum Sehnsuchtsboten, in einer anderen fällt sie wie eine Gottesanbeterin über ihn her. Die Insektengattung, deren Weibchen ihrem Partner nach dem Liebesakt den Kopf abreißen, liefert ein rabiates Beziehungsbild. Als dritte Person spielt Julian Greis als unglückliches Zimmer mit, das sich nach netten Bewohnern verzehrt.

Für Jonke war die Kunst von ewigem Wert, auch ohne dass zeitpolitische Themen verhandelt würden. "Der Text entspricht meinem Interesse, eine phantastische Geschichten zu erzählen", sagt Maria Ursprung. "Ich habe eine Faszination für die Sprachmusik, die da drinsteckt." Die gebürtige Schweizerin hat in diversen Produktionen am Haus und zuvor am Theater Basel unter anderem bei Anna Viebrock als Regieassistentin mitgewirkt. Eine lehrreiche Zeit für die studierte Germanistin und Theaterwissenschaftlerin.

Am Thalia-Theater hat sie unter anderem die "Lange Nacht der Weltreligionen" bei den Lessingtagen szenisch eingerichtet. "Das Tollste am Theater ist, dass es alle Kunstformen vereint. Man kann mit Bildern arbeiten, mit Texten, mit Musik", sagt Ursprung. Ihre Inszenierung von "Insektarium" wird ohne Käferkostüme auskommen, obwohl dem Jonke-Text in seiner Versponnenheit und der klaustrophobischen Atmosphäre durchaus etwas Kafkaeskes innewohnt.

Insektarium Premiere Sa 17.12., 20.00, Thalia in der Gaußstraße/Garage (Bahnhof Altona), Gaußstraße 190, Karten 26,-/erm. 13,- unter T. 32 81 44 44; weitere Termine unter www.thalia-theater.de