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Interne Studie warnt vor Umbau des ARD-Vorabendprogramms

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Kai-Hinrich Renner

Foto: HA / A.Laible

Thomas Gottschalk soll mit seiner neuen Sendung "Gottschalk live" die ARD aus dem Quotentief führen. Eine Studie warnt vor dem Umbau.

Hamburg. Eigentlich soll Thomas Gottschalk mit seiner neuen Sendung "Gottschalk live" das Vorabendprogramm des Ersten aus dem Quotentief führen. Doch in der ARD gibt es Befürchtungen, der Entertainer könne - zumindest mittelbar - genau das Gegenteil bewirken: Dem ARD-Programmbeirat, dem Rundfunkräte aller ARD-Anstalten angehören, wurde bei seiner Tagung am 22. und 23. November in Frankfurt am Main eine interne Studie präsentiert, die vor dem nun beschlossenen Umbau des Programmschemas zugunsten von "Gottschalk live" ausdrücklich warnt.

Um Platz für das neue Format zu schaffen, wurden einige Sendungen verkürzt, darunter auch das Boulevardmagazin "Brisant" . Es kommt derzeit auf einen Marktanteil von knapp 15 Prozent. Danach jedoch brechen die Quoten ein: Die Soap "Verbotene Liebe" hat nur noch einen Marktanteil von 8,4 Prozent. Bei den um 18.50 Uhr beginnenden Sendungen - der neuen Schmunzelkrimireihe "Heiter bis tödlich" , dem "Großstadtrevier" und Kai Pflaumes Quiz "Drei bei Kai" - sind es nur noch 7,7 Prozent.

"Nach ,Brisant'", heißt es in der Studie, "schalten deutlich mehr Zuschauer vom Ersten weg als zwischen den anderen Sendungsübergängen." Dennoch wird das Boulevardmagazin ab dem 23. Januar um zehn Minuten verkürzt. Statt wie bisher um 18 Uhr endet es künftig um 17.50 Uhr. Den Autoren der Studie ist klar, was das bedeutet: "Nach der Verkürzung von ,Brisant' muss mit einer Marktanteilsschwächung des Vorabendprogramms im Ersten gerechnet werden", schreiben sie. "Gleichzeitig wird man mehr Zuschauer an das ZDF verlieren." Denn das Zweite habe "mit den Krimis der ,SOKO' -Reihe und mit ,heute' zwei anziehungsstarke Angebote" im Programm.

Was dem Ersten der Vorabend, ist dem NDR Fernsehen der Sendeplatz am Montag um 21 Uhr. Bis vor Kurzem litt hier "Der Dicke" unter mangelndem Zuschauerzuspruch. Viel versprach man sich im NDR von dem heiteren, im Anwaltsmilieu spielenden Format "Edel & Starck", das der Sender - ungewöhnlich genug - für den Montag bei den Privaten einkaufte. Bei Sat.1 war die Serie ein Quotenerfolg. Nicht so beim NDR: Die erste Folge kam auf einen Marktanteil von nur 3,1 Prozent, Folge zwei sackte auf 2,6 Prozent, und die dritte Folge erreichte - immer noch inakzeptable - 3,4 Prozent. Im Schnitt liegt der Marktanteil des NDR-Fernsehens bei sieben Prozent. Der Sender verliert dennoch nicht die Hoffnung: "Aufgrund ihrer jüngeren, humorvollen Machart bedient die Serie eine neue Farbe auf diesem Sendeplatz und muss daher, wie bei Neuprogrammierungen üblich, ihr Publikum noch finden", sagt ein Sprecher. Na, denn ...

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