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N24 darf nicht als unabhängiger Dritter bei Sat.1 auf Sendung gehen

Foto: Michael Rauhe

Der Sender von Stefan Aust und Torsten Rossmann will nun rechtliche Schritte prüfen. Laut LMK ist die Bewerbung unzulässig.

Seit einer gefühlten Ewigkeit besetzen Alexander Kluges Produktionsgesellschaft DCTP und die News and Pictures des TV-Produzenten Josef Buchheit die Sendeplätze für unabhängige Dritte bei Sat.1 . DCTP zeigt dort im halbjährlichen Wechsel "Spiegel TV Reportage", und "Focus TV-Reportage" sowie Kluges Kulturmagazin "News & Stories". Buchheit ist mit der Morningshow "Weck Up" und dem Wissensmagazin "Planetopia" auf Sendung.

Nun bewarb sich der Nachrichtensender N24, der dem einstigen "Spiegel" -Chefredakteur Stefan Aust und dem Medienmanager Torsten Rossmann gehört, um die Sendeplätze von DCTP und News and Pictures. Dieser Versuch scheiterte jedoch bereits im Ansatz: Laut der zuständigen rheinland-pfälzischen Landeszentrale für Medien und Kommunikation (LMK) ist die N24-Bewerbung unzulässig. Ein LMK-Sprecher begründet dies damit, dass N24 bereits Sat.1 mit Nachrichtenprogrammen beliefere und deshalb nicht unabhängig sei. Rossmann hält die Entscheidung für "ein starkes Stück". Bereits im Vorfeld der Bewerbung sei ihm von der LMK bedeutet worden, die Ausschreibung der Sendeplätze verfolge das Ziel, an der derzeitigen Situation nichts zu ändern. Das wird von dem LMK-Sprecher bestritten. Rossmann will nun rechtliche Schritte prüfen. Er beruft sich auf ein Gutachten der Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich (KEK), die N24 bescheinigt habe, von Sendern der ProSieben Sat.1 Media AG trotz umfänglicher Programmzulieferungen unabhängig zu sein.

Der Aufsichtsrat der Hamburg Media School (HMS) hat dem neuen Studiengang Executive Journalism grünes Licht gegeben, der den bisherigen Studiengang Journalismus ersetzen soll, für den es zuletzt zu wenige Interessenten gab. Statt Berufsanfängern will die HMS künftig Ressortleiter und Chefredakteure vor allem crossmedial ausbilden. Für die im kommenden Frühjahr beginnenden Kurse werden nun Interessenten gesucht. Studiengangsleiter wird der Medienberater Klaus Ebert, der auch Vorsitzender des Hamburger Presseclubs ist. Er hofft auf zwölf interessierte leitende Redakteure, die, wenn sie alle Module des Studiengangs belegen, den akademischen Titel eines Masters erwerben können, der bisher allerdings für eine Karriere im Journalismus von eher untergeordneter Bedeutung ist. Zudem will Ebert Dozenten suchen und sich um die Vernetzung mit vergleichbaren Studiengängen im Ausland kümmern.

Dicke Luft herrscht offenbar beim in Bremen erscheinenden "Weser-Kurier". Seit dort Silke Hellwig als Chefredakteurin wirkt, sie kam von Radio Bremen , ist schon mal der Vorstand des Zeitungshauses Ulrich Hackmack bei der abendlichen Blattabnahme mit von der Partie. Bei anderen Verlagen wäre das ein nicht hinnehmbarer Tabubruch: Die Trennung von Verlag und Redaktion ist Zeitungsjournalisten heilig. Beim "Weser-Kurier" ist das offenbar anders. In einer Redaktionskonferenz habe Hellwig Hackmacks Teilnahme an der Blattabnahme, über die nicht jeder Redakteur glücklich ist, ausdrücklich begrüßt, heißt es in Redaktionskreisen. Leider waren weder die Chefredakteurin noch der Verlagsvorstand für eine Stellungnahme zu erreichen.

Die Fete des "Spiegels" anlässlich der Einweihung seines neuen Verlagshauses auf der Ericusspitze war wohl die beste Medienparty des Jahres. Da fiel es auch nicht ins Gewicht, dass kein Mitglied der amtierenden Bundesregierung unter den Gästen weilte. Mit der Einladung von Politikern tat sich der "Spiegel" ungewohnt schwer: So war einem Verlagsmitarbeiter die Abkürzung MdB nicht vertraut, die für Mitglied des Bundestages steht. Deshalb wurden einige Bundestagsabgeordnete zu ihrer nicht geringen Verblüffung als "Minister des Bundes" eingeladen.

Am Freitagabend wollte das Netzwerk Recherche einen neuen Vorstand wählen. Bei Redaktionsschluss stand das Ergebnis der Wahl noch nicht fest. Zuletzt hieß es, Oliver Schröm, Leiter des Ressorts "Investigative Recherche" beim "Stern", werde wohl neuer Vorsitzender der Journalistenvereinigung. Im Sommer wurde bekannt, dass der SWR -Chefreporter Thomas Leif, bis dahin Netzwerk-Vorsitzender, zu Unrecht 75 000 Euro für die Jahrestreffen der Vereinigung bei der Bundeszentrale für politische Bildung abgefordert hatte. Daraufhin trat der gesamte Vorstand zurück.

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