Kinostart: 27. Oktober

"Poliezei": Tiefer Blick in die tiefen Abgründe

| Lesedauer: 2 Minuten
Michael Ranze

Willkommen bei der Pariser Polizei, bei einer Einheit für Kinderschutz: Das Drama "Poliezei" ist nicht völlig geglückt, geht aber unter die Haut.

Hier geht es zu wie in einem Taubenschlag: Kinderschänder, die verhaftet werden, jugendliche Straftäter, die ihre Taschen leeren, verdächtige Eltern, die verhört werden, Aussagen von Kindern, die gar nicht recht wissen, um was es geht - willkommen bei der Pariser Polizei, bei einer Einheit für Kinderschutz.

Kaleidoskopartig fächert Regisseurin Maiwenn Le Besco die Abgründe des Kindesmissbrauchs auf. Dabei springt sie von einer Szene zur nächsten. Keine großen Einführungen, kein ausführliches Erzählen, manchmal auch kein Schluss. Le Besco hört kurz rein in die Verhöre mit Vätern, Onkeln, einmal sogar mit einer fahrlässigen Mutter, um nur ja keinen Aspekt auszulassen. Zwischendurch immer ein rascher Blick auf die Probleme der Flics, ihre Frustration, ihren Zorn, aber auch ihre Solidarität und Kollegialität untereinander, ihre Freude über Ermittlungserfolge, ihre persönlichen Sorgen, nicht zu vergessen das Problem, das Privatleben vor der Grausamkeit des Arbeitsalltags zu schützen.

Nicht sehr glücklich ist dabei die Funktion einer Fotografin (gespielt von der Regisseurin selbst), die die Arbeit der Polizisten für das Innenministerium dokumentieren soll und somit die Authentizität des Films überdeutlich spiegelt. Als hässliches Entlein mit Brille und Pferdeschwanz darf sie sich zum schönen Schwan wandeln, der einem Kollegen den Kopf verdreht - geschenkt. Manchmal kann Le Besco auch gemein werden, etwa wenn die Fahnder ein Mädchen auslachen, das großzügig Blowjobs verteilt, um sein gestohlenes Handy zurückzuerhalten. Auch hier ist die Absicht klar: Wenn in Zeiten des Internets Pornografie allgegenwärtig ist, verliert Sexualität ihre Bedeutung.

"Poliezei" hat etwas Hektisches und Fragmentarisches. Vieles wird nur angeschnitten und bleibt der Fantasie des Zuschauers überlassen. Ein irritierender, wichtiger Film, nicht immer geglückt und doch sehr eindringlich.

Bewertung: empfehlenswert

Poliezei Frankreich 2011, 127 Minuten, ab 16 Jahren, R: Maiwenn Le Besco, D: Karin Viard, Joeystarr, täglich außer Mo im Cinemaxx, täglich außer Fr im 3001, täglich im Studio; www.poliezei-film.de