Uwe Ochsenknecht als Schlagersänger

"Das große Comeback" – Niemals geht man so ganz

Einmal Schlager, immer Schlager: Uwe Ochsenknecht gibt in "Das große Comeback" einen Frohsinnskünstler aus der Eifel.

Hamburg. Hansi Haller: So kann nur ein Schlagersänger heißen, und zwar einer, dessen große Zeit mindestens 20 Jahre zurückliegt. Haller ist "eitel, grenzdebil und nervtötend wie ein Sack Malaria", findet jedenfalls Ute Meier-Thiel. Sie muss es wissen, denn die Beschreibung würde auch auf sie selbst zutreffen. Dass sich die Lebenswege dieses ungleichen Duos, dessen Biografien einander bis hin zum rasanten Absturz so frappierend ähnlich sind, überkreuzen, ist der kühnste von vielen originellen Einfällen des Drehbuchautors Mark Werner: Haller soll in einem Eifelnest sein Comeback versuchen; Meier-Thiel, seit zwei Jahrzehnten Redakteurin bei einem Privatsender, will mit dem filmischen Dokument des mutmaßlichen Scheiterns verlorenes Renommee zurückgewinnen.

Werner ist als Autor gleich doppelt qualifiziert: Er hat rund 100 Sitcom-Folgen verfasst ("Nikola", "Mein Leben und ich"), alle für RTL. Er weiß also, wie man Pointen schreibt, und kennt sich außerdem im kommerziellen Fernsehen aus. Eigentlich schade, dass "Das große Comeback" kein RTL-Film ist; allein die Sätze der abgetakelten TV-Redakteurin wären große Selbstironie. Wie Andrea Sawatzki diese versoffene Fernsehfrau verkörpert, ist sehenswert. Gleiches gilt für Uwe Ochsenknecht, der eine Traumbesetzung für den abgehalfterten Schlagerstar ist. Der Schauspieler hat diverse CDs veröffentlicht, weshalb die musikalische Seite keine Herausforderung gewesen sein dürfte. Noch besser ist Werners Idee, die Handlung in einem verschlafenen Eifeldorf anzusiedeln; so treffen die handelnden Personen ständig aufeinander.

Hier, in Bad Böhlen, trifft sich regelmäßig der erste und mittlerweile auch letzte Hansi-Haller-Fanclub. Dass er nur zwei Mitglieder hat, machen die Damen durch Enthusiasmus wett. Also quartiert sich der Sänger in der von Fanclub-Chefin Erika Plausen (Antje Lewald) geführten Plausen-Klause ein. Prompt gerät der Sänger zwischen die Fronten der Geschlechter, denn die Gatten können mit den Liedern nichts anfangen, was Meier-Thiel weidlich ausnutzt, um Männer und Frauen gegeneinander aufzuhetzen. So ergeben sich immer wieder skurrile Szenen, die Regisseur Tomy Wigand, der mit Ochsenknecht die Ruhrgebietskomödie "Fußball ist unser Leben" gedreht hat, mit Genuss auf die Spitze treibt.

Ein Genuss sind auch die Nebenfiguren, etwa Leonard Lansink und Heinrich Schafmeister als Hallers Agenten, Michael Brandner als Schlagerhasser oder Dorothea Walda als "Koma-Oma", die dem Sänger mütterlich zugetan ist, seit sein Gesang sie erweckt hat.

Natürlich greift der Film solche Gelegenheiten gern auf, um den vor keiner Skrupellosigkeit zurückschreckenden Abgesandten des Privatfernsehens eins auszuwischen. Am Ende aber setzt sich die Liebe durch: Hansi gelingt ein neuer Hit, und als er in einer Talkshow vom Konkurrenten Henning Silvester (Konstantin Wecker) provoziert wird, rechnet er mit dem Showgeschäft ab, entledigt sich seines Toupets und wird ein neuer Mensch.

"Das große Comeback", 20.15 Uhr, ZDF