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"Oper des Jahres": Hamburg spielt keine Rolle

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Das Opernhaus des Jahres ist das Théâtre Royal de la Monnaie in Brüssel. 2005 war es noch die Hamburger Oper. Die kommt 2011 gar nicht mehr vor.

Berlin. Premiere für das diesjährige "Opernhaus des Jahres": Erstmals gewinnt mit dem Théâtre Royal de la Monnaie in Brüssel eine Bühne außerhalb des deutschen Sprachraums. Das hat die traditionelle Kritikerumfrage der Zeitschrift "Opernwelt" ergeben. Gleich dreifacher Gewinner ist die Oper Frankfurt: Sie belegt den zweiten Platz und ist damit das wichtigste Opernhaus in Deutschland. Außerdem sind die Musiker der Frankfurter Oper zum dritten Mal in Folge zum "Orchester des Jahres“ gekürt worden. Ebenfalls in Frankfurt engagiert ist der "Sänger des Jahres“: Bariton Johannes Martin Kränzle, der unter anderem für seine "überragende Leistung“ in der Uraufführung von Wolfgang Rihms "Dionysos“ bei den Salzburger Festspielen gewählt wurde. Das durch Nietzsche-Texte inspirierte Stück ist auch "Uraufführung des Jahres“ (Dirigent: Ingo Metzmacher, Regie: Pierre Audi).

50 Kritiker haben die Opern-Hitliste für die Zeitschrift "Opernwelt" zusammengestellt. Demnach ist der Erfolg des Brüsseler Opernhauses vor allem auf Intendant Peter de Caluwe zurückzuführen: "Ein Mann mit klaren Überzeugungen und langem Atem, der lieber im Hintergrund agiert, mit Künstlern und Mitarbeitern diskutiert, statt sich vor laufender Kamera zu produzieren“, schreibt die Fachzeitschrift am Dienstag.

+++ Abendblatt-Kommentar: Ferner lief: Hamburgs Oper

Die Brüsseler Produktion von Giacomo Meyerbeers "Die Hugenotten“ (Dirigent: Marc Minkowski, Regisseur: Olivier Py) wurde "Aufführung des Jahres“. Die "Nachwuchssängerin des Jahres“ ist die 21 Jahre alte Russin Julia Lezhneva, die in der Inszenierung den Pagen singt. Zum vielfältigen Spielplan von Caluwes Bühne gehörten auch Janáceks "Katja Kabanova“ in der Regie von Andrea Breth und die Uraufführung von Toshio Hosokawas "Matsukaze“, choreographiert von Sasha Waltz.

"Regisseur des Jahres“ ist Achim Freyer für seine Interpretation von Schönbergs "Moses und Aron“ an der Oper Zürich. Zum besten Dirigenten wurde Mariss Jansons gewählt. Der Lette, der nur selten in der Oper dirigiert, wurde von den Kritikern für seine Amsterdamer Neuproduktion von Tschaikowskys "Eugen Onegin“ zum Besten seines Fachs gekürt.

Den "Chor des Jahres“ stellt die Staatsoper Stuttgart. "Wiederentdeckung des Jahres“ ist Mieczyslaw Weinbergs Auschwitz-Oper "Die Passagierin“ über den Mord an den europäischen Juden. Das Werk des über Jahrzehnte vergessenen polnisch-russischen Komponisten erlebte bei den Bregenzer Festspielen in der Regie von Intendant David Pountney seine szenische Uraufführung.

Für seine Ratten und weitere Kostüme für Hans Neuenfels' Bayreuther "Lohengrin“-Inszenierung wurde Reinhard von Thannen "Kostümbildner des Jahres“. "Bühnenbildner des Jahres“ ist Martin Zehetgruber mit seinem "Rusalka“-Raum an der Bayerischen Staatsoper und der beklemmenden "Wozzeck“-Kaserne an der Berliner Staatsoper.

1997 und 2005 war es die Staatsoper Hamburg, die zum "Opernhaus des Jahres" gekürt wurde. Einzige Beteiligung aus der "Theaterstadt" Hamburg in diesem Jahr ist der Politologe Udo Bermbach, der in dem Ranking für seine Studie "Richard Wagner in Deutschland. Rezeption, Verfälschungen" den Titel "Buch des Jahres" bekam. Darin leuchte er tief in die Ideengeschichte Bayreuths hinein, begründet die Jury.

( (dpa/abendblatt.de) )