Konzert in der Freiheit

Kitty, Daisy & Lewis dilettierten sich zurück in die 50er-Jahre

Foto: PIAS

Der Eifer des britischen Retro-Trios Kitty, Daisy & Lewis in der ausverkauften Großen Freiheit stimmte, mehr Raffinesse hätte dem Konzert aber gutgetan.

Hamburg. Blumen im Haar, Kleider mit Petticoat, Hawaiihemden und viel Pomade: Die Fans von Kitty, Daisy & Lewis hatten sich für das Konzert des britischen Retro-Pop-Trios mit Sorgfalt und Stil aufgebrezelt. Im engen Vorraum der Großen Freiheit 36 tanzten einige Paare zu den Songs der drei Geschwister sogar Swing, im Saal war dafür kein Platz, denn der Auftritt war seit Wochen ausverkauft. Es scheint, als habe dieser handgemachte, auf Rock 'n' Roll, Swing und Jump Blues der 50er-Jahre basierende Sound vom Album "Smoking In Heaven" Hochkonjunktur. Jeder kann zu diesen simplen Nummern mitklatschen oder die Refrains mitsingen, Kitty, Daisy & Lewis spielen Gute-Laune-Musik, wie gemacht für eine Tanzparty am Wochenende.

Technisch stellen die Songs an die jungen Musiker aus London keine hohen Herausforderungen, Hauptsache, der Rhythmus stimmt und die Nummern sind gut gesungen. Doch was die drei Geschwister und ihre Eltern - Vater Graeme an der Gitarre und Mutter Ingrid am Stehbass - ablieferten, klang doch bei einigen Stücken arg holprig. Den meisten Zuhörern war es in ihrer Wochenendeuphorie egal, aber einem erfahrenen Musikhörer kräuselten sich angesichts dieses offensichtlichen Dilettantismus doch die Nackenhaare.

Sehr schnell hatte sich das Wechselspiel von Kitty und Daisy hinterm Schlagzeug abgenutzt und wirkte zunehmend eintönig. Auch Lewis konnte an der Gitarre keine besonderen Akzente setzen. Zwar versuchte er sich an einigen Improvisationen, doch um wirklich zu fesseln, bedarf es größerer Fertigkeiten. Am überzeugendsten waren noch die Mundharmonika-Soli von Kitty, mit 22 Jahren die Älteste des Geschwistertrios.

Vielleicht hätte Familie Durham noch mal ein paar Übungsstunden im häuslichen Studio einlegen sollen, bevor sie sich auf diese Deutschland-Tournee begab. Der Eifer der Briten bei diesem fröhlichen und tanzbaren Potpourri längst vergangener Popmusik stimmt zwar, aber etwas mehr Raffinesse bei den Arrangements hätte dem Auftritt gutgetan.