Kinostart: 8. September

Happy End als Notausgang: "Le Havre"

| Lesedauer: 2 Minuten
Frank Arnold

Foto: pandora

Dem finnischen Regisseur Aki Kaurismäkis ist mit "Le Havre" eine tolle, lakonische Komödie gelungen, die Mut macht, ohne Thesenkino zu werden.

Fünf Jahre hat der finnische Regisseur Aki Kaurismäki seine Fans diesmal auf einen neuen Spielfilm warten lassen. Aber das Warten hat sich gelohnt. "Le Havre" schafft es mühelos, den lakonischen Humor, für den Kaurismäki bekannt ist, mit einem aktuellen Problem zu verknüpfen, ohne dabei zum Thesenkino zu werden.

Schauplatz ist die französische Hafenstadt Le Havre, sein Protagonist trägt den bezeichnenden Namen Marcel Marx, gespielt wird er von André Wilms, der 1991 - mit demselben Rollennamen - die Hauptrolle in Kaurismäkis "Das Leben der Boheme" verkörperte, ein gealterter Lebenskünstler, einst Schriftsteller, der sich jetzt selbstgenügsam als Schuhputzer durchschlägt. Eines Tages begegnet er dem Flüchtlingsjungen Idrissa, der durch Flucht der Polizei entwischte, als der Container geöffnet wurde, in dem er und andere Flüchtlinge aus Afrika hier gestrandet sind. Wie selbstverständlich hilft Marcel ihm, zunächst indem er ihm etwas zu essen gibt, dann indem er das Geld für seine Passage nach England aufbringt. Dabei kann er sich der Solidarität im Viertel sicher sein, auch wenn es einen Denunzianten gibt.

Schließlich, nach einem bangen Moment, bei dem der Zuschauer sich fragen muss, ob der Polizeiinspektor Monet, trotz offensichtlicher Sympathien für die Flüchtlinge, nicht einen Rückzieher machen wird, mündet "Le Havre" in einem doppelten Happy End, dem Kaurismäki durch die Farben und durch einen plötzlich blühenden Apfelbaum etwas Märchenhaftes gibt. Das hat ein bisschen etwas von dem "Happy End als Notausgang", dessen sich der von Kaurismäki geschätzte Douglas Sirk bei seinen Hollywood-Melodramen der 50er-Jahre bediente. Vielleicht muss sich Kaurismäki damit aber auch selber schützen, damit wir nicht alle denken, er sei plötzlich zu einem hoffnungslosen Optimisten geworden. So oder so: "Le Havre" ist auch ein Film, der Mut macht.

Bewertung: hervorragend

Le Havre Finnland/Frankreich/Deutschland 2011, 93 Minuten, o. A., R: Aki Kaurismäki, D: André Wilms, Kati Outinen, Jean-Pierre Darroussin, täglich im Abaton, Zeise; http://lehavre.pandorafilm.de