Ohnsorg-Theater

Mal was anderes: Shakespeare op Platt

Michael Bogdanovs Inszenierung der Liebes- und Verwechslungskomödie "En Sommernachtsdroom" eröffnet das neue Ohnsorg im Bieberhaus

Ohnsorg. Die Stunde der Theater-Eröffnung im Bieberhaus mit William Shakespeares "En Sommernachtsdroom" rückt rasch heran. Genauso wie Hippolytas Hochzeit in der turbulenten Liebeskomödie voller Verwechslungen. Sie feierte in zahllosen Inszenierungen - nicht zuletzt als Musiktheater in Schmidts Tivoli oder Ballett von John Neumeier - auf Hamburgs Bühnen Dauererfolge. Doch noch niemals hofierte der Athener Herrscher Theseus seine Braut mit den Worten: "Süh, smuck Hippolyta, uns Hochtietsstünn treckt fix nu ran."

"Im Traum ist doch alles möglich", sagt Hartmut Cyriacks lächelnd. "Da spreche ich manchmal, wie ich normalerweise nie sprechen würde." Der Autor, Dramaturg und Übersetzer hat mit seinem Kompagnon Peter Nissen das Shakespeare-Original bearbeitet. "Unsere bisher schwierigste und schönste Aufgabe", sagen die beiden unisono. Fast ein ganzes Jahr haben sie mit Unterbrechungen daran herumgebastelt.

Seit gemeinsamen Dramaturgie-Zeiten am Ohnsorg-Theater bis 1994 sind der Mann mit der lichten Frisur (Cyriacks) und sein Schreibtisch-Mittäter mit weißem Bart ein eingeschworenes Team. "Wir haben am Ohnsorg vieles und Verschiedenes lernen können." Sie haben Theaterstücke ins niederdeutsche Idiom und Lebensgefühl übertragen, darunter "Unternehmen Arche Noah" von Elke Heidenreich oder auch "Tod eines Handlungsreisenden" von Arthur Miller unter dem lapidaren Titel "Utmustert".

Von den fleißigen "Plattmachern" gibt es aber auch "Asterix" und "Harry Potter" in Mundart. Sie verfassten Bücher mit Sprichwörtern und Kurzgeschichten und haben im Vorjahr den Lokalteil für die Weihnachtsausgabe des Hamburger Abendblatts ins Plattdeutsche übersetzt.

Zurück zum Theater. Der Konflikt eines Stückes muss im niederdeutschen Sprachgebiet denkbar sein, lautet eine Prämisse für das Übersetzer-Duo. Die Shakespeare-Komödie sei eine Ausnahme und besonders reizvolle Herausforderung gewesen. "Das Stück ist ein Traumspiel und eine Dichtung, die teilweise im Blankvers geschrieben ist", erklärt Nissen. "Eine Schwierigkeit war, passende Reimwörter zu finden. Hatten wir ein gut klingendes Paar, musste der Satz dann aber noch den formalen und inhaltlichen Vorgaben des Originals entsprechen." Keine einfache Aufgabe. "Oft haben wir nur 18 Zeilen oder sogar noch weniger an einem Tag geschafft", gibt Cyriacks zu. "Dann haben wir aufgehört, damit uns die Arbeit nicht zu sehr an die Nerven geht und wir die Lust daran verlieren."

Regisseur Michael Bogdanov sei eine große Hilfe gewesen, betonen die beiden. Übrigens eine Pointe für sich: Der Schauspielhaus-Intendant von 1988 bis 1992 eröffnet mit seiner Inszenierung das neue Ohnsorg-Haus gegenüber seinem alten Theater. Der Shakespeare-Spezialist hatte an der Kirchenallee "Hamlet" und "Julius Cäsar" mit Ulrich Tukur inszeniert.

"Im Sommer letzten Jahres haben wir mit der Bearbeitung begonnen", erzählt Cyriacks. "Wir haben Fehler bei den Übersetzungen entdeckt, und Bogdanov erhellte uns kundig dunkle Stellen im Text." Er sei ein erfahrener Theaterpraktiker. "In seiner Strichfassung hat er schwer Verständliches weggelassen. Macht Shakespeare einen Witz, dann muss der für das Publikum sofort klar und auch lustig sein."

Einen Eingriff hat sich das Duo erlaubt: Alle Figuren behielten ihre Namen, nur die der "Arbeiterklasse" im Stück, der Handwerker und der Diener der Elfenkönigin Titania, haben sie übertragen. Squenz ist nun Quisch, Flaut ein Fleit, der Kesselflicker Schnauz heißt Snuut, und aus Schneider Schlucker wurde der trinkfreudige Robert Kümmerling. Die Elfen Bohnenblüte und Senfsamen heißen Arfenblööt und Sempkoorn. Als ob sie munter aus den Gemüsegärten der Vierlande ins Ohnsorg geflogen kämen.

En Sommernachtsdroom Ohnsorg-Theater im Bieberhaus (S/U Hauptbahnhof), Hachmannplatz, Vorstellungen bis 8.10., Karten zu 14,- bis 28,- unter T. 35 08 03 21; www.ohnsorg.de

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