Das Stuttgarter Ballett ist Kompanie des Jahres

Berlin/Stuttgart. Das Stuttgarter Ballett ist von der Zeitschrift "Tanz" zur Kompanie des Jahres gewählt worden. Die Kompanie sei auch im 50. Jahr ihres Bestehens immer noch ein "Ballettwunder". Die Schule des 1973 gestorbenen Briten John Cranko sei bis heute spürbar. Seine Werke, vor allem aber sein "unbedingter Wille, das Ballett zu erneuern", machten Stuttgart "zu einem Ort, der sich erfolgreich wie keine andere Truppe der eigenen Musealisierung entzieht". In der Tradition von Cranko stünden die Leiter der Kompanie, Márcia Haydée, 74, einst, und Reid Anderson, 62, heute.

Baden-Württembergs Kunstministerin Theresia Bauer (Grüne) nannte die Auszeichnung am Montag einen eindrucksvollen Beleg für die "ungebrochen lebendige Tanztradition auf allerhöchstem Niveau". Das Stuttgarter Ballett setze seit Jahrzehnten weltweit Maßstäbe. "Die jetzige Auszeichnung ist aber auch eine Bestätigung für die Philosophie von Reid Anderson, neben dem klassischen Kanon auch den zeitgenössischen Choreografien breiten Raum zu geben."

Für John Neumeier, Direktor des Hamburg Ballett, war das Stuttgarter Ballett in den 1960er-Jahren die erste künstlerische Deutschland-Station - von 1963 bis bis 1969 gehörte er zunächst als Tänzer, dann als Solist an und schuf seine ersten Choreografien. Über Frankfurt am Main kam er schließlich 1973 nach Hamburg, wo er 1978 die zweite Ballettschule der Bundesrepublik gründete. Als Vorbild diente ihm dabei die Schule des Stuttgarter Balletts. Eines seiner bekanntesten Ballette, die "Kameliendame", widmete John Neumeier 1978 seiner ehemaligen Tanzpartnerin Márcia Haydée.

Zum Aufreger des Jahres kürte die Zeitschrift "Tanz" Wim Wenders' 3-D-Film "Pina". Mit seiner Hommage an die gestorbene Wuppertaler Choreografin Pina Bausch habe Wenders auch Tanzabstinente für dieses Genre gewinnen können, lautete die Begründung der Jury.

Tänzerin des Jahres wurde Brit Rodemund aus Berlin für ihre Interpretation einer dementen Frau in "revolver besorgen" der Tanzregisseurin Helena Waldmann. Zum Performer des Jahres wurde Jared Gradinger gekürt, der am Berliner HAU-Theater gemeinsam mit Angela Schubot auftrat. Als bester Choreograf galt Sidi Larbi Cherkaoui aus Antwerpen, der mit mehreren internationalen Kooperationen für Aufsehen sorgte. Die Zeitschrift "Tanz" erscheint in einer Auflage von 12 000 Exemplaren im Friedrich Berlin Verlag.