Feste feiern in der Nachbarschaft

Beim Bernstorffstraßenfest und Barmbeker Hofsommerfest versprechen Gratis-Konzerte unbeschwerten Musikgenuss

St. Pauli/Barmbek. Es gibt solche und solche Open-Air-Feste. Bei jenen mit von Sponsoren präsentierten Musikbühnen und einer Fressbude neben der anderen freut sich der Veranstalter meist über satte Einnahmen und Zehn- oder sogar Hunderttausende von Besuchern. Dass es in Hamburg auch anders, vor allem kulturell vielfältig geht, zeigt sich an diesem Sonnabend.

Das Bernstorffstraßenfest auf St. Pauli etwa lebt seit seiner Premiere im Jahr 2000 vom Engagement der Menschen im Viertel, es hat sich bis heute seinen nicht kommerziellen Charakter bewahrt. Anwohner (mit einem Flohmarkt) und Kulturschaffende bringen sich mit ein. So unterstützt die Trinkwasserinitiative Viva con Agua de Sankt Pauli nicht nur das Kinderfest mit Torwandschießen auf dem Spielplatz. Auch die von Festivals bekannten "Pfandbecherjäger" versuchen Geld für Trinkwasserprojekte lockerzumachen. Dass in der Formbar (Bernstorffstr. 118) in Filmen gezeigt wird, in welche Projekte die Spenden fließen, zeigt den Ansatz des Bernstorffstraßenfestes. Weil es 2008 wegen einer Anwohnerkampagne gegen den Abriss des Studiokinos einmal ausfiel, feiert es erst jetzt seinen zehnten Geburtstag. Mitorganisator Ivo Delor (Bernsteinbar) sagt: "Insbesondere die große Bühne Ecke Bernstorff- und Thadenstraße ist jedes Jahr ein Anziehungspunkt." Der Auftritt der Hamburger Hip-Hopper von Fettes Brot 2006 ist so manchem ebenso noch im Gedächtnis wie jene von Samy Deluxe und Ingo Pohlmann.

Mit ihm auf Tour war kürzlich die Sängerin/Songschreiberin Cäthe. Sie wird ab 22 Uhr das Programm von insgesamt 13 Acts auf zwei Bühnen beschließen und zeigen, warum sie als "Senorita" irgendwo zwischen Punk und Diva schwebt. Zuvor spielen auch Pixie Paris und Robert Carl Blank.

Nicht ganz so traditionsreich wie das Bernstorffstraßenfest, jedoch ein originelles Open-Air-Event ist das Barmbeker Hofsommerfest. Auf dem Museumshof stellen die Zinnschmelze, die IG Fuhle e. V., das Museum der Arbeit und seine Nachbarn ein abwechslungsreiches Programm für Groß und Klein auf die Beine und Bühne. Bis zum frühen Abend wird etwa in der Metallwerkstatt das Handwerk des "Elefantenschleuderns" vorgeführt. Auf dem Hof zwischen Dampfwalze, historischem Bagger und dreirädrigen Tempo-Kleinlastern gibt es Theater und Swing zum Mitmachen.

Ab 17 Uhr folgen drei grundverschiedene Hamburger Musik-Acts: Zunächst untermalen die Godfathers of Swing (u. a. mit Ex-"Buddy Holly" und "Jedermann" Robin Brosch) akustisch den Tanz Lindy Hop. Danach will die Multikulti-Band Kosmo Koslowski mit ihrem "Piratenjazz" zum Anstieg der Körpertemperaturen beitragen. Wer die Filme Emir Kusturicas ("Schwarze Katze, weißer Kater") kennt, weiß, was das heißt: Klezmer, Balkan-Ska, Zirkus-Polka und Space-Hop.

Höhepunkt und Abschluss soll ab 20.30 Uhr ein Konzert von Regy Clasen und ihrer Band werden. Hamburgs kleine Soul-Perle, für die - man mag's kaum glauben - bald das vierte Lebensjahrzehnt anbricht, wird mit ihrer warmen, leicht wispernden Stimme gefühlvoll gegen den Abendwind ansingen. Regy, Tochter eines Musiklehrers und einer Organistin, will in ihrem 90-minütigen Best-of-Programm auch neue Songs wie "Und wenn das alles ist" oder "Tauklar" vorstellen. Klar, dass sich allein für jenes Konzert die Fahrt nach Barmbek lohnt - wenn man nicht auf der Bernstorffstraße vor einer der beiden Bühnen festhängt. Ist ja alles gratis. Und ein Genuss für Augen und Ohren, am besten ohne großes Gedränge und Geschiebe.

10. Bernstorffstraßenfest Sa 6.8., 10.00-ca. 23.30 Bernstorffstraße/Thadenstraße (U Feldstraße, Metrobus 3), Eintritt frei; www.bernstorffstrasse.info

3. Barmbeker Hofsommerfest Sa 6.8., 14.00-22.00 (U/S Barmbek), Museumshof/Maurienstr. 19, Eintritt frei; www.zinnschmelze.de