Kinostart: 2. Juni

Acht Minuten bis zum Tod

| Lesedauer: 2 Minuten
Martin Schwickert

Foto: Photo: Jonathan WENK / Photo: Jonathan WENK/Digital (Summit)

Zurück in die Zukunft mit dem atemraubenden Actionthriller. Was Regisseur Duncan Jones ("Moon") in "Source Code" versucht, ist schon ein gewagtes Unternehmen.

Colter Stevens (Jake Gyllenhaal) wird aus dem Traum gerissen und in ein Leben katapultiert, das nicht das seine ist. Er sitzt in einem Zug nach Chicago und gegenüber eine ihm vollkommen unbekannte Frau (Michelle Monaghan), die ihn offensichtlich schon länger kennt. Als Colter auf die Zugtoilette stürzt, sieht er dort im Spiegel das Bild eines anderen Mannes. Sekunden später explodiert der Zug und reißt all seine Passagiere mit in den Tod.

Acht Minuten dauert der Albtraum. Dann findet sich Colter in einer sonderbaren Kapsel wieder und die Armeeoffizierin Goodwin (Vera Farmiga) klärt den Soldaten darüber auf, dass er Teil eines Experiments ist, in dem er als Medium in das Hirn und die letzten Erinnerungen eines der Anschlagsopfer eindringt. Dort soll er den Attentäter ausfindig machen, der bereits einen weiteren verheerenden Anschlag angekündigt hat. Immer wieder wird Colter und mit ihm das Publikum zurück in das Erinnerungsfragment geschickt.

Zeitreisen sind im Kino eine beliebte Erzählform. Aber das, was Regisseur Duncan Jones ("Moon") in "Source Code" versucht, ist schon ein gewagtes Unternehmen. Es sind immer die gleichen acht Minuten vom Erwachen bis zur Explosion, die durch die Augen der Hauptfigur betrachtet werden. Aber die Wahrnehmung verschärft sich mit jeder Zeitreise und natürlich versucht Colter den zwangsläufigen Ablauf des Desasters zu unterbrechen.

Trotz seiner aktuellen politischen Implikationen ist "Source Code" kein klassischer Polit-Thriller, sondern eher ein erzählerisches Experiment über die Manipulierbarkeit der Wirklichkeit. Die Science-Fiction-Prämisse des Hirnreisens wirkt zunächst etwas befremdlich, aber aus der immer genaueren Beobachtung, der Variation und der Veränderung des Vergangenheitsfragments entsteht ein interessanter und kompakter Thriller, der seine Spannung bis zur letzten Minute aufrechterhalten kann und gleichzeitig immer wieder neue Betrachtungsebenen einzieht.

Bewertung: empfehlenswert

Source Code USA 2010. 93 Min., ab 12 J., R: Duncan Jones, D: Jake Gyllenhaal, Michelle Monaghan, Vera Farmiga, täglich im Cinemaxx Dammtor/Harburg/Wandsbek, UCI Mundsburg/Othmarschen Park, Smart-City; www.kinowelt.de