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Gruner + Jahr ist wohl schon bald kein Druckhaus mehr

Vieles spricht dafür, dass sich der Verlag bald aus dem Druckgeschäft verabschiedet. Gruner + Jahr hat wohl schon Pläne für die Erlöse.

Vor vier Jahren war der Zusatz "Druck- und Verlagshaus" am Firmenschild von Gruner + Jahr am Hamburger Baumwall plötzlich verschwunden. Ein Verlagssprecher mochte damals darin kein Präjudiz dafür sehen, dass sein Haus sich demnächst aus einem seiner Stammgeschäfte zurückzieht. Nun spricht aber alles dafür, dass Gruner + Jahr sich bald aus dem Druckgeschäft verabschiedet: Der Verlag will seinen 37,45-Prozent-Anteil an dem Tiefdruck-Joint-Venture Prinovis verkaufen, an dem neben der Bertelsmann-Tochter Arvato auch die Axel Springer AG beteiligt ist. Sie gibt auch das Hamburger Abendblatt heraus.

In das 2005 gegründete Gemeinschaftsunternehmen brachte Gruner + Jahr seine Druckereien in Itzehoe und Dresden ein. Wie es in Unternehmenskreisen heißt, ließ sich das Zeitschriftenhaus bei der Gründung von Prinovis zusichern, seinen Anteil jederzeit an Arvato verkaufen zu können. Auch bei Gruner + Jahr ist Bertelsmann der Hauptgesellschafter.

Dem Vernehmen nach sollen im Verlagshaus am Baumwall sowohl Vorstand als auch Aufsichtsrat dem Verkauf zugestimmt haben. Theoretisch könnte es nun also schnell gehen. Unklar ist allerdings, ob mit Arvato schon Einvernehmen über den Preis erzielt wurde. Hier könnte ein Knackpunkt liegen. Die Druckbranche steht gewaltig unter Druck: Erst im Januar beantragte die Schlott-Gruppe aus Freudenstadt, zu der auch die Hamburger Broschek -Druckerei gehört und die hinter Prinovis die Nummer zwei im deutschen Tiefdruckmarkt ist, die Eröffnung des Insolvenzverfahrens.

Den Erlös aus dem Verkauf will Gruner + Jahr offenbar möglichst schnell reinvestieren. Der Verlag plant schon seit Längerem den Einstieg in das Geschäft mit Fachinformationen, das sogenannte Professional Publishing. In Kauf genommen wird dabei, dass eine der Wurzeln des Hauses gekappt wird: Bei der Gründung von Gruner + Jahr tat sich 1965 der Drucker Richard Gruner mit den Verlegern John Jahr und Gerd Bucerius zusammen.

Seit vergangenem Jahr ist Angelika Paetow nicht mehr Leiterin der Abteilung Kinder und Familie im NDR Fernsehen . Offiziell hat sie sich "auf eigenen Wunsch" in die Fernsehfilm-Abteilung versetzen lassen. Damit solle auch "jeder Anschein einer Vermischung von privaten und beruflichen Belangen vermieden" werden. Paetow war nämlich lange Jahre Lebensgefährtin des Fernsehproduzenten Winfried Debertin . Mit ihm entwickelte sie die NDR-Kinderserie " Hallo Spencer ". Debertin machte sich später selbstständig und gründete die Firma Penta TV , mit der er "Hallo Spencer" produzierte. Bei der letzten Lieferung kam es 2001 offenbar zu Unregelmäßigkeiten: NDR-Mitarbeiter berichten, dass Debertin unter die neuen Folgen altes, bereits bezahltes Material gemischt habe.

Zudem habe er "Hallo Spencer"-Folgen an EM.TV verkauft, obwohl die Rechte an ihnen beim NDR lägen. Der Sender spricht im Zusammenhang mit dem Altmaterial von "Klammerteilen". Er bestätigt, dass die deutschen Rechte an "Hallo Spencer" bei ihm liegen. Inwieweit Penta TV mit einem Verkauf der Folgen an Dritte gegen Rechte des NDR verstoßen habe, werde derzeit ebenso geprüft wie eine weitere Verwendung der "Klammerteile".

Die Sache flog im Zuge einer Prüfung durch die NDR-Revision auf, die der Sender bereits im Herbst 2009 veranlasst hatte. Bis dahin war das Altmaterial in den "Hallo Spencer"-Folgen niemandem aufgefallen - auch keinem Mitarbeiter des Ki.Ka , der sie ebenfalls zeigte. Der Redaktionsleiter Fiktion und Programmakquisition des Kindersenders ist übrigens Debertins Bruder Sebastian. Verantwortlicher Ki.Ka-Geschäftsführer war damals Frank Beckmann , heute NDR-Fernsehdirektor.