Eine Hochzeit wird zum Streitfall

Sowohl ARD als auch ZDF zeigen sechs Stunden lang die Royal Wedding. Nicht jeder findet das gut

Hamburg. Das neue Jahr begann für ARD und ZDF mit einer Hiobsbotschaft. Trotz Fußball-Weltmeisterschaft, Olympischen Winterspielen und Lenas Erfolg beim Eurovision Song Contest hatten beide öffentlich-rechtliche Sender 2010 Marktanteile verloren. Erstmals seit 2003 lag RTL als erfolgreichster deutscher Sender vor der ARD. Zu verdanken hatte das der Kölner Privatkanal vor allem seinem Programm am Vor- und Nachmittag. Dann bringt er Dokusoaps und Scripted-Reality-Formate - inszenierte Pseudo-Dokus aus dem Hartz-IV-Milieu, in denen nach Drehbuch geflucht wird - bis zum Abwinken. Gegen diese Überdosis Trash sind ARD und ZDF machtlos.

Man muss wissen, dass die Öffentlich-Rechtlichen tagsüber quotentechnisch nichts zu melden haben, um zu verstehen, warum sowohl ARD als auch ZDF die Royal Wedding von William und Kate unbedingt übertragen wollen. Die Trauung des britischen Prinzen fällt - mit allem Drum und Dran - am Freitag in die Zeit von 9 bis 15 Uhr. Und von der Quote her ist eine königliche Hochzeit ohnehin ein Selbstgänger: Als am 19. Juni 2010 die schwedische Kronprinzessin Victoria ihrem Daniel das Jawort gab, sahen beim ZDF 7,07 Millionen Zuschauer zu, was einem Marktanteil von 36,8 Prozent entspricht. Das ist ein gigantisch guter Wert.

Natürlich müssen die Programme von ARD und ZDF genügend Zuschauer finden. Ihre vorrangige Aufgabe ist es aber nicht, auf die Quote zu schielen. Insofern kann man sich schon fragen, ob es dem öffentlich-rechtlichen Programmauftrag entspricht, wenn ein Ereignis, das vor allem für die Yellow Press von Relevanz ist, sowohl von ARD als auch vom ZDF übertragen wird.

Zumindest werden mit dem Ausflug nach London keine Gebührengelder verschwendet. Die Produktionskosten liegen nach Angaben der Sender nicht über denen ihres normalen Vor- und Nachmittagsprogramms. ARD und ZDF werden im Wesentlichen die Bilder der britischen BBC übernehmen. Dennoch hat der rheinland-pfälzische Staatskanzlei-Chef Martin Stadelmeier (SPD), der die Rundfunkpolitik der Länder koordiniert, die Parallelausstrahlung kritisiert: "Eine gemeinsame Berichterstattung von ARD und ZDF hätte ausgereicht", sagte er.

Man kann den Sendern zugutehalten, dass sie in den vergangenen Jahren Parallelübertragungen von royalen Festivitäten jeglicher Art deutlich reduziert haben. Zuletzt waren ARD und ZDF gemeinsam bei der Beerdigung des monegassischen Fürsten Rainier vor Ort. Das war am 19. Mai 2005.

Im März 2007 wurde dann grundsätzlich neu geregelt, wer wann welches hochherrschaftliche Event zeigt. Die beiden damaligen Chefredakteure Thomas Baumann (ARD) und Nikolaus Brender (ZDF) legten fest, dass sich ihre Sender bei der Übertragung königlicher Feierlichkeiten abwechseln. Nur in vier Fällen ist nach wie vor eine Parallelausstrahlung möglich: Wenn Festivitäten der sogenannten Kategorie-A-Königshäuser von England, Spanien, Schweden und der Niederlande anstehen, dürfen beide Sender berichten.

Als die schwedische Kronprinzessin im vergangenen Jahr heiratete, übertrug die ARD aber nicht, obwohl es sich um eine Kategorie-A-Hochzeit handelte. Das Erste zeigte die WM-Partien Ghana - Australien und Niederlande - Japan. Beide Spiele hatten schlechtere Quoten als die Heirat in Stockholm.