Eine Frau macht sich zum Affen

Foto: Galerie Oel-Früh.

Die Hamburger Künstlerin Katia Kelm zeigt bis zum 1. Mai Plastiken, Bilder und Rüc kblicke auf die Frühgeschichte der Primaten in Rothenburgsort

Galerie Oel-Früh. Die Evolution der Katia Kelm, das ist eine Reise zurück in die Vorzeit, zurück in die Zeit vor den Stein-, Eisen-, Bronze- oder sonst welchen Zeiten des Menschen. Homo irgendwas gab es damals zwar auch schon, sie sahen aber dezent anders aus als Menschen heute. Sie hatten zum Beispiel kein so gut frisiertes Haar wie Katia Kelm, die Künstlerin. Und statt fein geschwungener Lippen manchmal eine affenartige Schnute. Sie hatten kein Haus, nur pure Landschaft, Dschungel und Urwald.

Etwas aber verband die Menschen von damals bereits mit den Menschen von heute. Katia Kelm hat sich deswegen mal eben in Plastik und etlichen Bildern als Menschenahnin porträtiert und zeigt, dass frau schon damals recht träumerisch und nachdenklich war. Ihre Ausstellung "Hab ich was verpasst?" läuft zurzeit in der Galerie Oel-Früh auf drei Ebenen.

Da liegt sie nun, in ihrem haarigen Evakostüm, splitternackt am Ufer und blickt sehnsüchtig über den See. Wie weiland Goethe in italienischer Landschaft betrachtet sie die Weiten der Prähistorie oder gibt sich überwältigt von der Erhabenheit des Universums. Das Meditieren scheint der Menschenprimatin ebenso geläufig zu sein wie das Posieren mit Haustier.

Folgt man Katia Kelms Rückblicken auf die Frühgeschichte der Menschheit, wird eines recht deutlich: Schon damals müssen die Menschen das ganze Potenzial romantischer Gefühle, das Innenleben des modernen Subjekts und die Erfahrung der unendlichen Tiefe des Kosmos in sich getragen haben. Von wegen Jäger und Sammler, unsere Altvorderen haben ursprünglich nur vorgefühlt, was uns heutigen Kino- und Sehnsuchtskonsumenten in Fleisch und Blut übergegangen ist.

Die Evolution mal anders und quer gelesen gibt es bei der Künstlerin auch als Plastik mit acht fast lebensgroßen Köpfen aus Knete. Einer gehört ihr, die anderen sieben unseren Ahnen. Zusammen bilden sie einen Kreis mit Gläsern auf ihren Häuptern, die von einem zirkulierenden Silberlöffel der Reihe nach zum Klingen gebracht werden. Da ist sie wieder, die Harmonie zwischen gestern und heute.

Dann aber auch dies: ein Zurück-in-die-Zukunft mit Collagen. Aus der Frühzeit geht's mit ihnen ab in die Jetztzeit. Und aus der natürlichen Außenwelt in die moderne Innenwelt in Form billigen Interieurs. In schlichten Regalkästen, auf Wäschetrocknern, in nackten Nutzräumen mit offener Kabelage oder in lieblosem Bar-Ambiente liegen, stehen oder schweben die Häupter und Figuren zeitgenössischer Semi- und Vollprominenz. Wie ehedem bei Martin Kippenberger und seiner Serie "Bekannt durch Film, Funk, Fernsehen und Polizeirufsäulen" versammeln sich hier die Gesichter aus Film, TV, Klatsch und Tratsch. Von Schrankwänden herab lugen sie in den Raum, hängen an Kabeln oder müssen sich mit kalten Hotelgängen zufriedengeben. Da geht er schnell dahin, der Glamour der Glanz-Verwöhnten.

Doch lässt sich das wie immer auch anders sehen: Endlich darf sich auch die billige Fassade, die nützliche Blende oder der schnöde Zweckraum im Licht der Prominenten sonnen.

Galerie Oel-Früh zeigt Katia Kelm: "Hab ich was verpasst?", bis 1.5., Mi ab 19.00, sowie nach Vereinbarung, Brandshofer Deich 45 (Bus 120, 124), Finissage: So 1.5., 15.00, Infos unter T. 78 07 21 39, per Mail an info@oelfrueh.org ; www.oehlfrueh.org , http://katiakelm.de