Jury debattierte öffentlich

Beim Körber-Studio Junge Regie siegte Gernot Grünewald von der Hamburger Theaterakademie

Hamburg. Es war die 13. Vorstellung beim Körber-Studio Junge Regie - und zugleich eine Premiere: Die Kritik an ihrer Entscheidung nicht scheuend, diskutierte die Jury vor Publikum, um die Findung des Gewinners im Wettbewerb des jährlichen Nachwuchsregie-Treffens im Thalia in der Gaußstraße transparent zu machen. Nach einer guten Stunde und der schriftlichen Abstimmung stand der Gewinner fest. Mit drei Voten erhielt Gernot Grünewald von der Theaterakademie Hamburg für seine Diplominszenierung "DreiLeben - ein Projekt übers Sterben" den Preis der Körber-Stiftung. Sie unterstützt mit 10 000 Euro eine neue Arbeit des Nachwuchsregisseurs.

Das Tabuthema Sterben, die Methode der Texterarbeitung, der nicht moralisierende Umgang mit dem Interview-Material, für das Grünewald auch eine konsequente künstlerische Form gefunden hatte, beeindruckten die meisten der Jurymitglieder.

Festival-Organisatorin Sabina Dhein moderierte die couragierte Runde mit Regisseurin Cilli Drexel, Dramaturgin Almut Wagner, ihren Kollegen Frank Behnke (Deutsches Schauspielhaus) und Benjamin von Blomberg sowie Harald Müller, dem Leiter des Verlags Theater der Zeit in Berlin.

Fünf von den zwölf gezeigten Aufführungen hatten es in die Endrunde geschafft. Bei der 13. durch die Jury zeigte sich nochmals im Rückblick das breite ästhetische und formale Spektrum der Produktionen - vom sinnlich brutalen Theaterspektakel über die zeitkritische Groteske bis zur filmisch rasch geschnittenen Performance, wie "Record of Time". Dieses Videoprojekt von Lea Ratzel und Alexander Maximilian Giesche vom Gießener Institut für angewandte Theaterwissenschaft wurde von sieben das Festival begleitenden Journalistikstudenten mit dem "Preis der jungen Kritiker" ausgezeichnet.

Dass jede Jury anders entscheidet, damit muss jede Jury leben.

( (-itz) )