Ranga Yogeshwar arbeitete für die Atomwirtschaft

Der Journalist moderierte Veranstaltungen des AKW-Betreibers E.on

Hamburg. Der Wissenschaftsjournalist Ranga Yogeshwar, der in den ARD-Sondersendungen zum Unglück im japanischen Kernkraftwerk Fukushima als Experte auftritt, hat auch für die deutsche Atomwirtschaft gearbeitet. Nach einem Bericht des Mediendienstes Meedia trat er mehrfach als Moderator und Gastredner auf Veranstaltungen des Kernkraftwerksbetreiber E.on auf. Auch für Veranstaltungen, die mittel- oder unmittelbar mit dem Kernkraftwerksbetreiber EnBW und den AKW-Konstrukteuren Thyssen Krupp und Siemens in Verbindung stehen, wurde der Journalist gebucht. Im vergangenen Jahr habe er zudem an einer Strategiesitzung von E.on zum Thema Energie teilgenommen. Dort habe er, so Yogeshwar gegenüber Meedia, seine Meinung klar artikuliert: "Meine Position in Sachen Kernenergie ist seit 25 Jahren unverändert kritisch."

Kollegen seines Haussenders WDR seien von ihm vorab über seine Teilnahme an der Strategiesitzung informiert worden. Nach Angaben einer WDR-Sprecherin wurden Yogeshwars Nebentätigkeiten vom Sender bis 2008 genehmigt. Seither arbeitete der Wissenschaftsjournalist als freier Mitarbeiter für den WDR. Seine Nebentätigkeiten muss er nun nicht mehr offenlegen.

Probleme damit, dass Yogeshwar sich in der Vergangenheit auch von der Atomwirtschaft bezahlen ließ, hat man beim WDR nicht: "Ranga Yogeshwar ist als unabhängiger Journalist auf seinem Gebiet ein viel gefragter Experte", sagt die Sendersprecherin. "Der WDR hat keine Veranlassung, an seiner Unabhängigkeit zu zweifeln."

Yogeshwar selbst war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Er bereitete sich auf eine weitere Sondersendung vor.