LiLaBe

Wie man sich bettet, so liegt man auch

Foto: Volker Sarbach

Ein Abend bei LiLaBe auf der berüchtigten Fummelwiese. Oder: Wenn Stein, Schere und Papier entscheiden, wer als Krankenschwester geht.

Irgendwann haben wir es nicht mehr ausgehalten. Die Dienstwohnung beim Zivildienst hatte zwar alle Annehmlichkeiten, die junge männliche Erwachsene brauchten (Kühlschrank, Ofen, Haustür), aber die verlockende Playstation stand im Zimmer eines Kollegen, und die einzige Möglichkeit zum Sitzen war seine Matratze. Die sah leider nicht mehr so gut aus nach elf langen Dienstmonaten.

Erst im zehnten Monat war ihm aufgefallen, dass der Matratzenbezug wechselbar war (Spannbettlaken), und da war es auch egal. Man war ja nicht beim Bund und hat eben nicht gelernt, sein Bett zu machen. Scheinbar gewöhnte er sich mit der Zeit an Bier- und Joghurtflecken, eingebrannte Zigarettenstummel und gut erkennbare Hinweise auf die letzten zehn Monatsangebote beim Pizzalieferanten.

Wir hatten aber nicht nur das Rätsel nicht gelöst, wie es der häufige Damenbesuch auf dem Diwan des Grauens ausgehalten hat, wir hatten auch einfach genug. Und so fassten wir an einem kalten Februartag, der Kollege hatte Urlaub, den perfekten Plan: raus mit dem Ding. Aber wohin? Sondermüll-Deponie? Illegale Schutthalde? Oder Dänisches Bettenlager ("Moin, wir ham da eine Reklamation")?

Während wir mit dem Dienst-Polo, bei dem man die Gänge ohne Kupplung reinreißen musste, auf dem Weg zur Müllverbrennungsanlage in Stapelfeld fuhren, entdeckten wir an einem Laternenpfahl zwei Plakate. Auf dem einen stand ein Goethe-Spruch: "Auf einmal sah ich Rat und schrieb getrost: Am Anfang war die Tat." Und darunter? Das berühmte, 1974 entstandene Strapsmaus-Plakat von LiLaBe, der großen jährlichen Faschingssause in Bergedorf.

Genial! "Die suchen doch immer Sofas und Matratzen für die Fummelwiese" - und der Einlass hatte schon vor einer Viertelstunde begonnen. Schnell reifte die Idee, es fehlten nur zwei unauffällige Kostüme. Im Kofferraum des Polos fanden wir das Krankenschwester-Outfit der hübschen Kollegin im freiwilligen sozialen Jahr, doppelseitiges Klebeband und eine Papiertüte gefüllt mit mehreren Lagen braunem Packpapier. Stein, Schere und Papier entschieden, wer als Krankenschwester und wer als Papiertüte verkleidet wurde. So verwandelte ich mich in Packman, den freundlichen Superhelden mit dem Umweltengel, Schutzpatron der Krankenschwestern. Der verhüllte Rächer im Packpapier-Anzug. Mit einer Papiertüte über dem Kopf.

Mit der Matratze unter den Armen stellten wir uns an und bekamen sogar eine Freikarte. Anschließend zwängten wir uns durch das Gewühl keckernd lachender, singender und tanzender Menschen, Tiere und anderer kostümierter Sensationen. "So, dann lass uns die Matratze mal langlegen und ab dafür", rief ich der Krankenschwester zu und bekam eine geschallert. Unter den geschätzten 650 Krankenschwestern auf den LiLaBe-Tanzflächen hatte ich die falsche angesprochen. Ich schnitt dann Sehschlitze in die Papiertüte.

Auf der Fummelwiese war schon einiges los. Paul Breitner (oder Michael Jackson, Afro-Perücke eben) spielte Rubbeldiekatz mit Catwoman, diverse Krankenschwestern maßen gegenseitig ihre Herztöne. Großes Hallo, als wir unsere Fracht loswurden. Während wir an der Theke ein Feierabendbier nahmen, rief man auf der Bettstatt beim Udo-Jürgens-Doppelknaller ("Griechischer Wein" und "Aber bitte mit Sahne") zur Rotwein- und Sprühsahneschlacht. Und wir: "Ist ja ganz lustig hier ..."

Wir erwachten morgens frierend im Fond des Polos. Auf der Matratze. "Kein Wort zu irgendwem", war unser Schwur, als wir sie später zurück an ihren angestammten Ort legten. Zum Glück hat ihr Besitzer nichts gemerkt.

LiLaBe Fr/Sa 25./26.2., 20.30, HAW Campus Bergedorf (Bus 222), Lohbrügger Kirchstraße 65, Eintritt 25,-/30,-; www.lilabe.de