Auf in den Strom

Die Band Cold War Kids ist nicht mehr sperrig

Es muss sich alles ändern, das hat sich Cold War Kids wohl nach ihrem zweiten Album "Loyalty To Loyalty" gesagt. Das war nämlich, gemessen an den Erwartungen, die das Quartett aus Kalifornien nach dem verheißungsvollen Debüt an sich selbst gerichtet hatte, ein ziemlicher Flop gewesen. Anderthalb Hits, und keiner der Songs wollte bleiben. Zumindest oberflächlich gesehen, denn die eingefleischten Indie-Nerds fanden die sperrigen und überdrehten Stücke von Cold War Kids auch auf "Loyalty" noch immer Bombe. Weil die Gitarren so schön dengelten, der Bass wühlte, das Schlagzeug drosch und der Sänger so abgedreht wie eine Hysterikerin auf Ecstasy jaulte.

Das war. Und heute ist: "Mine Is Yours". Das neue und dritte Album, seit drei Wochen zu haben und ganz anders als die beiden ersten CDs. Denn Cold War Kids ist das Wagnis eingegangen, ihren Klang zu glätten - und damit das, was die Band von anderen Gruppen unterschied, einzuebnen. Die Musiker um Nathan Willett zieht es also in den Hauptstrom popmusikalischen Schaffens, und im Hinblick auf Rockmusik sind die Bezugspunkte seit vielen Jahren schon U2 und Coldplay, und so klingt Cold War Kids dann auch bei Songs wie "Finally Begin", also ganz und gar nicht schlecht.

Aber ob die Hardcore-Fans da mitziehen? Die bisherigen Rezensionen waren eher mittelprächtig, dabei sollten die Agenten der "unabhängigen" Musik doch auch mal loslassen können und dem ein oder anderen Interpreten zugestehen, den Weg in gefälligere Gefilde zu suchen. Niemand ist so unversöhnlich wie die Indie-Fraktion, siehe nach unter Kings Of Leon.

Wer ignorant bleibt, verpasst ein Zufriedenheit ausstrahlendes und gediegenes Album, das sich eben doch gut ins Werk einfügt. Nur ab und an wünscht man sich den Furor von einst zurück und hofft, dass er auf dem nächsten Album zurückkehrt. "Louder Than Ever", so der Titel der ersten Single, sind die Jungs von Cold War Kids jedenfalls keineswegs. Was nicht heißt, dass sie das Lärmen nicht verlernt haben: "Flying Upside Down" lässt's dann doch schon wieder krachen.

Cold War Kids Do 10.2., 20.00, Uebel & Gefährlich (U St. Pauli), Feldstraße 66, Karten ab 21,15 im Vvk.; www.coldwarkids.com