Laieszhalle

Und die Musiker langten saftig in die Vollen

Foto: Elbphilharmonie Konzerte

Kammermusik ist von gestern? Tja. Da haben Sie wohl das Apollon Musagète Quartett verpasst. Die Ensemblemitglieder sind um die 30 Jahre jung.

Hamburg. Die Kammermusik hat ein Nachwuchsproblem? Von wegen! Beim Auftritt des Apollon Musagète Quartetts sorgten auffallend viele junge Besucher im kleinen Saal der Laeiszhalle für eine schöne Mischung - die Ensemblemitglieder selbst sind gerade mal um die 30 und schon jetzt mit einer großen künstlerischen Reife gesegnet.

In den beiden Streichquartetten ihres Landsmannes Karol Szymanowski etwa zauberten die vier jungen Polen die verschiedensten Farbnuancen aus ihren Saiten - trugen dabei aber nie zu dick auf. Jedes flötende Flageolett wurde da bogenhaargenau auf den Punkt getupft, jedes Pizzikato-"Pling" mit größter Delikatesse gezupft. Bei den folkloristischen Rhythmen langten die Musiker dann schon auch saftig in die Vollen, wenn es sein musste. Ein ganz starkes Szymanowski-Plädoyer, kurz unterbrochen von einer Chopin-Bearbeitung voller süßer Melancholie.

Die vier Streicher spielen im Stehen und halten erstaunlich wenig Blickkontakt - dafür scheinen sie aber durch ein unsichtbares Band umso dichter vernetzt zu sein. Jedenfalls profitierte auch ihre Schumann-Interpretation nach der Pause von höchster Homogenität und einem nahezu blinden Verständnis. Ganz berückend das zarte, wie nach innen gesungene Adagio mit seinen herrlichen Melodiebögen; atemberaubend der Presto-Schlusssatz des Quartetts op. 41,1, dessen rasendes Tempo mitunter fast schon gehetzt wirkte - aber dadurch eben auch einen mitreißenden Sog bekam.

In der Zugabe, einer parodistischen Polka von Dmitri Schostakowitsch, offenbarten die ansonsten sehr ernsthaften Musiker schließlich auch noch ihren sympathischen Humor und wurden anschließend von allen bejubelt, egal welchen Alters. Einige der jungen Zuhörer hatten ja tags zuvor am Workshop des Quartetts in der Jugendmusikschule teilgenommen, sie hatten dem Konzert ganz besonders aufmerksam gelauscht. Es mag erstaunlich klingen, aber es hat sich einmal wieder gezeigt: Auch nach 250 Jahren ist die Gattung Streichquartett noch immer jung und frisch.