Funkelndes Wasser ist tief

Auf ihrem neuen Album zieht uns Joan As Police Woman in ihre Seele

Mit dem Titel ihres dritten Albums hat sich Joan Wasser, die sich Joan As Police Woman nennt, in eine ferne Milchstraße gebeamt. "The Deep Field" ist eine Galaxie im Sternbild Großer Bär, die mithilfe des Sternenteleskops Hubble vor ein paar Jahren entdeckt worden ist. Doch wie von einem anderen Stern klingen die neuen Songs nicht, im Gegenteil: Die exzentrische Sängerin und Violinistin hat ein sehr geerdetes Album aufgenommen. Der Eröffnungssong "Nervous" ist eine fette Rocknummer mit einem mit viel Vibrato gespielten Gitarrensolo, doch schon mit dem darauf folgenden "Magic" entspannt sich der Groove und die zehn langen Songs gehen in einen entspannten Soul über, wie man ihn von Stevie Wonder, Al Green oder D'Angelo kennt.

Joan Wasser hat sich ein paar der besten New Yorker Musiker für die Aufnahmen gesucht, sie hat allein mit fünf verschiedenen Bassisten gearbeitet, als Gastsänger ist Joseph Arthur dabei. "I'm looking for the magic", singt sie, und genau darum ging es ihr bei diesem durchsichtig produzierten Werk: Magie, Seele, Dramatik. Sie selbst nennt "The Deep Field" ihr bisher fröhlichstes Werk. Sie frönt der Liebe, freut sich des Lebens, aber nicht in naiver Ausgelassenheit. Wasser weiß, dass überall Abgründe lauern, und dass der Blues einen ganz schnell zu fassen bekommt.

Ihre Fähigkeiten als Geigerin, gerne von Kollegen wie Antony, Rufus Wainwright oder Lou Reed in Anspruch genommen, stellt sie dieses Mal nicht aus, in vielen Songs macht sich wie in "Chemmie" oder "Human Condition" eine wimmernde Orgel breit. Dieses mächtige Instrument gibt den Kompositionen etwas Sakrales und führt den Hörer zurück in die 60er-Jahre und nach Memphis, wo die Wiege des Southern Soul stand. Gospelchöre wie in "Kiss The Specifics" geben den Songs eine zusätzliche besondere Tiefe.

"The Deep Field" besitzt klanglichen Reichtum; mit Joans dunkler Stimme als funkelndem Edelstein. Sie säuselt und jubiliert, sie beschwört und dramatisiert, sie prescht offensiv nach vorn oder hält sich vornehm zurück. Joan Wasser nutzt die ganze Gefühlspalette, zieht den Hörer mit hinein in ihre Seele. Das Album ist eine Reise, voller Spannung und Abwechslungen und eher ein weites Feld statt eines tiefen.

Joan As Police Woman: The Deep Field (PIAS)