Gefangen im Albtraum

"Mein Glück" ist ein schonungsloses Gesellschaftsporträt

Georgy (Viktor Nemets) ist mit dem Lkw in Russland unterwegs. Er gerät in eine Polizeikontrolle und wird grundlos Opfer der Willkür der Beamten. Später trifft ein desillusioniertes junges Mädchen (Olga Shuvalova), das als Prostituierte auf dem Straßenstrich arbeitet. Als er ihr helfen will, erntet er nur drastische Zurückweisung. Schließlich gerät er in ein Dorf, in dem die Bewohner brutal und gnadenlos miteinander umgehen. Auch er wird zum Opfer ihrer Aggressionen.

Schon lange ist eine Gesellschaft nicht mehr so schonungslos inhuman und korrupt porträtiert worden wie die russische in "Mein Glück". Die Menschen in diesem postsowjetischen Roadmovie sind durch Entbehrungen und Missstände zu erschreckenden seelischen Krüppeln geworden - und suchen doch nur nach ihrem Glück. Der Protagonist ist in einem kafkaesken Albtraum gefangen. Die trostlosen Landschaften tun ein Übriges.

Regisseur Sergei Loznitsa, der seit zehn Jahren in Berlin lebt, hat bisher nur Dokumentarfilme gedreht. Ein Erlebnis mit einem Passanten imspirierte ihn zum Drehbuch für dieses Spielfilmdebüt. Am Donnerstag, 3. Februar, kommt Loznitsa um 20.30 Uhr ins Passage, um den düsteren und beeindruckenden Film vorzustellen, der 2010 im Wettbewerb in Cannes lief.

++++- Mein Glück D, Ukr., NL 2010, 127 Min., ab 12 J., R: Sergei Loznitsa, D: Viktor Nemets, täglich im Passage; www.farbfilm-verleih.de/filme/my_joy.html