Lampe an. Mädchen da?

Gesucht wird "Unser Song für Deutschland" und damit ein Lied, bei dem Lena Meyer-Landrut wieder in ihre erfolgreiche Rolle schlüpfen kann

Hamburg. Als Lena Meyer-Landrut gestern mit dem Lied "Good News" endlich den interessanten Teil der Show "Unser Song für Deutschland" eröffnete, hieß es wieder: "Lampe an - Mädchen da": Nur diese vier Worte brauchte NDR-Moderator Peter Urban letztes Jahr, um das Phänomen Lena in Worte zu fassen. Kurz nach ihrem Triumph mit "Satellite" beim Eurovision Song Contest 2010 am 29. Mai 2010 in Oslo sendete der NDR eine Reportage mit Aufnahmen hinter den Kulissen des jährlichen Spektakels. Wie die sprichwörtliche arme Sau wurde Lena, immer begleitet vom Patron Stefan Raab, nahezu pausenlos durch das mediale Dorf getrieben. Aber so erschöpft sie auch war, sobald "Unser Star für Oslo" im Scheinwerferlicht stand: "Lampe an - Mädchen da". Sie spielte ihre Rolle gut.

Der finale Glitzer-Konfettiregen von Oslo ist längst aufgefegt worden, die Kulissen sind abgebaut, die schwarz-rot-goldenen Blumenketten eingemottet. Lena ist seitdem bei "Wetten, dass ..?" aufgetreten, in Opel-Werbespots, beim Deutschen Fernsehpreis.

Der ARD-Programmbeirat schien schon im Oktober 2010 übersättigt zu sein. Sie "spiele nur noch eine Rolle" und habe ihre Unbefangenheit verloren, heißt es in einem dem "Spiegel" vorliegenden Sitzungsprotokoll. Dabei war das letzte Mal, als Lena wirklich noch unbefangen war, eher der Ausruf "Verdammte Scheiße!" beim mehr als verdienten Gewinn der "Unser Star für Oslo"-Castingshow.

Danach stellte sie sich ganz der "nationalen Aufgabe" (Stefan Raab), der auch das bemühte Wühlen des Boulevards in Busen- und Tangablitzer-Bildern nichts mehr anhaben konnte. Am Ende waren alle "Lenastheniker", ARD-Programmdirektor Volker Herres bezeichnet sich jetzt noch so. Und er ist nicht alleine, die entsprechende Facebook-Gruppe hat immerhin 27 Mitglieder. Noch ohne Volker Herres.

Aber vielleicht tut sich da in den nächste Wochen was. Denn Lena-Mentor Stefan Raab wäre nicht Stefan Raab, wenn es ihm nicht gelingen würde, die zarte Glut der vergangenen Lenamania wieder anzufachen. Trommelfeuer? Heiße Luft? Wer Guildo Horn, Max Mutzke und sogar sich selbst auf respektablen Rängen beim Eurovision Song Contest unterbringt und sogar das Runterschlittern von Eisbahnen auf chinesischen Wölbpfannen in olympische Dimensionen transportieren kann, der sollte nicht für ehrgeizige Eurovisionen zum Arzt geschickt werden.

Die "nationale Aufgabe" am 14. Mai in Düsseldorf: Titelverteidigung. Raab will sich mithilfe von Lena selbst schlagen. "Was ist eine Sing-Europameisterschaft ohne die amtierende Europameisterin?", sagte er. Also hieß es gestern nicht "Unser Star für Düsseldorf", sondern "Unser Song für Deutschland". Das Mädchen ist schon da.

Es fehlt nur noch der Beitrag. Lena interpretiert in zwei Halbfinal-Sendungen auf ProSieben insgesamt zwölf Songs, die Stefan Raab und andere internationale Produzenten komponiert haben. Das Publikum wählt jeweils drei für die finale Abstimmung am 18. Februar in der ARD. "Das Coolste an der Sendung finde ich, dass es diesmal nicht um mich geht, sondern um die Lieder", freute sich Lena bei "TV Total". Die Rolle als musikalisches Anziehpüppchen quer durch die Stile von Rock bis Elektro schien ihr erneut zu gefallen.

Mit Überraschungen brauchte sie ja auch nicht zu rechnen: Die zwölf zur Wahl stehenden Songs sind bereits im Kasten und erscheinen am 8. Februar, einen Tag nach dem zweiten Halbfinale bei ProSieben, auf ihrem zweiten Album "Good News". Im April beginnt dann ihre Konzert-Tournee durch die Republik, die am 20. April auch in der Hamburger O2 World Station macht.

Das gestrige erste Halbfinale auf ProSieben war so auch weniger nationaler Vorentscheid zum Eurovision Song Contest (der Sieger steht ja schon fest), sondern eine Dauerwerbesendung für Album, Tour und Opel mit den üblichen Zutaten zum Strecken der Sendezeit: das bemüht witzige Moderatorenpaar Matthias Opdenhövel und Sabine Heinrich sowie zur Beratung der Zuschauer Chefjuror Stefan Raab und Gastjuroren aus der Pop- und Medienwelt. Unheilig-Sänger Der Graf und Silbermond-Frontfrau Stefanie Kloß besuchten den Auftakt.

Im Mittelpunkt standen aber die ausführlich vorgestellten Songs. Da machte das TV-Publikum wenig Kompromisse und wählte zwei Songs weiter, die am besten auf Lenas begrenzten Stimmumfang und den Song Contest zugeschnitten waren: den von Pär Lammers und Daniel Schaub aus Berlin geschickten Ohrwurm "Maybe" und das von Lena mit Raab zusammen komponierte, eingängige Motown-Soul-Stück "What Happened To Me".

Auch das mutige, weil düstere Elektro-Pop-Experiment "Taken By A Stranger" von Gus Seyffert, Nicole Morier und Monica Birkenes schaffte es ins Finale. Aber ob der richtige Song für Düsseldorf dabei war, zeigt sich frühestens beim zweiten Halbfinale. "Lampe an - Mädchen da".

Unser Song für Deutschland Mo 7.2., 20.15, ProSieben; Fr 18.2., 20.15, ARD; Internet: www.unser-song-fuer-deutschland.tv