"Jüdin von Toledo"

Heimspiel für den König im Thalia-Theater

Foto: HA / A.Laible

Im Rahmen der Hamburger Lessingtage besucht Peter Jordan mit dem Wiener Burgtheater besucht Peter Jordan das Thalia - und wird gefeiert.

Hamburg. "Wir lähmen sie und grollen, wenn sie hinken." Human denkt dieser König im Konflikt mit den Fremden - und muss die Heimat trotzdem gegen innere wie äußere Feinde verteidigen. Doch was bedeutet Heimat heute? "Etwas, das wir uns erarbeiten müssen", sagt Peter Jordan im Prolog der "Jüdin von Toledo", dem Gastspiel des Wiener Burgtheaters am Thalia.

Unterm Kreuz sitzen die Christen zu Gericht über das jüdische Mädchen, das König Alfonso (Peter Jordan) betört und die Bürokratie und Machtordnung des Staates stört. Regisseur Stephan Kimmig lässt die eifersüchtige Königin (Caroline Peters) ihr Todesurteil gleich zu Beginn fällen: Er rollt den Fall der "Judenschlampe" vom tragischen Ende her auf und verlegt die Aufführung in einen Gerichtssaal. Bühnenbildnerin Katja Haß baute ihm dafür einen multifunktionalen Sitzungsaal - freudloser "Palast der Republik" statt kastilischer Königssitz.

Mit Yohanna Schwertfegers aufsässig-verspieltem und gelocktem Wildfang Rahel bricht sprühendes Leben in Alfonsos Ehe-Langeweile und das steife Posieren des grauen Politikergeschäfts. Peter Jordan gelingt es, das Drama des Mannes zwischen den beiden Frauen, zwischen Leidenschaft und Vernunft; zwischen seinem Versprechen, was ihm anvertraut ist, auch zu schützen, und der Furcht, seine Ehe und Machtposition aufs Spiel zu setzen, mit einer Tragikomik fern allen Pathos eindringlich auszuspielen. Manche seiner Einsichten und Sätze überraschen durch die verblüffende Gültigkeit in den aggressiv und beinhart ausgetragenen Szenen einer (modernen) Ehe.

Doch können weder die Schauspieler noch der Regisseur manche Problematik und Ungereimtheiten des Stücks ausgleichen. Immerhin hält Werner Schwab feinfühlig die Figur des geldgierigen Juden und Vaters der ungleichen Töchter Rahel und Esther (Katharina Lorenz) frei von Karikatur. Und Stephan Kimmig liefert gerade in einigen kritischen Punkten Gedankenimpulse zu den Widersprüchen in der aktuellen Islam- und Integrationsdebatte - ohne nur blutleer vordergründiges Thesentheater zu bieten.