Echoes Of Swing

Der Swing ist nicht tot, er ist nicht einmal vergangen

Foto: promo

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Die Band Echoes Of Swing spielt auf ihrem Album "Message From Mars" raffinierte Swing-Covers - Glücksmusik für wache Hörer.

An der Musik von Avantgarde-Jazzern wie Lester Bowie oder Dave Douglas fasziniert neben der Modernität ihres Spiels immer auch ihr liebevoller Umgang mit der Jazzgeschichte. Das deutsch-englisch-amerikanische Quartett Echoes of Swing geht den umgekehrten Weg. Wie der Bandname verrät, bildet der Swing den Ausgangspunkt ihrer Musik; von dort aus lauschen die vier Musiker tief in den verwinkelten, manchmal überaus geheimnisvollen Resonanzraum hinein, den der Swing gebildet hat. Und wo seine akustischen Spuren derart fruchtbar ins Heute reichen wie hier, wäre es abwegig, von Museumsmusik oder abgeschlossenem Sammelgebiet zu reden.

Die Band spielt ohne Bassisten, was der linken Hand des Pianisten Bernd Lhotzky mehr Erdung abverlangt, als die meisten seiner Kollegen würden leisten wollen. Er löst diese Aufgabe aber mit solcher Noblesse und Leichtigkeit, dass allein schon sein Klavierspiel einen dazu treibt, die neue EOS-Platte "Message From Mars" gleich noch mal von vorn zu hören. Da auch der Trompeter Colin T. Dawson und der Altsaxofonist Chris Hopkins auf ihren Instrumenten über geradezu unheimliche Verführungskräfte verfügen und das Schlagzeugspiel von Oliver Mewes eigentlich Federzeugspiel heißen müsste, gibt es noch mehr Gründe, der Musik dieses Quartetts zu verfallen. Und dann singt Dawson manchmal auch noch so unsentimental traurig wie Chet Baker.

Das mit 16 Songs recht üppige Repertoire der CD besteht überwiegend aus, nun ja, Coverversionen. Aber kann man das noch Coverversion nennen, wenn eine Band neben handverlesenen Stücken von Ellington, Sam Blythe oder Fritz Kreisler (!) eine bislang im Jazz noch unbekannte Gavotte von Schostakowitsch oder eine Chopin-Etüde mit der kinetischen Energie des Swings auflädt? Kaum zu glauben, aber diese Musik, raffiniert in den Arrangements, elegant, beiläufig und beseelt gespielt, hat das Zeug dazu, den Fan des Jazz von gestern genauso glücklich zu machen wie den des Jazz von morgen.

Echoes Of Swing: Message From Mars (EOSP/ Eigenverlag), www.EchoesOfSwing.com

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