Ein Abschied wie eine Totenfeier

Nach 25 Jahren ist mit "Larry King Live" Schluss - zu spät

New York. Mit einem Großen Zapfenstreich sollte der altgediente Soldat an der CNN-Unterhaltungsfront Lawrence Harvey Ziegler alias Larry King verabschiedet werden. Präsidenten, Stars, Komiker würden den Mann feiern, der seit 1985 seine Interviews so ungerührt immergleich geführt hatte, als verändere sich die Welt nicht. Was dann am Donnerstag geschah, glich einem Begräbnis. Und nicht wenige der lobhudelnden Redner wirkten beim Abschied von "Larry King Live" selbst kaum lebendiger als der Geehrte.

Dass es nach über 25 Jahren höchste Zeit war zu gehen, belegten nicht nur die seit geraumer Zeit absackenden Quoten. Larry King, Jahrgang 1933, war immer ein notorisch schlampig vorbereiteter Interviewer, doch zuletzt wirkte seine Geistesabwesenheit, als habe man ihn aus dem Mittagsschlaf gerissen. Und seine von Karten oft müde abgelesenen Fragen verrieten die Neugier eines Gefängniswärters auf den Neuzugang. Der Mann, der den fetten, selig singenden Marlon Brando auf den Mund geküsst - vielleicht seine größte Tat - und alle US-Präsidenten von Nixon bis Obama, berühmte Verbrechensopfer und Televangelisten mit denselben weichen Warum-Fragen zum Reden brachte, hätte vor Jahren abtreten sollen. Lange, bevor er begann, mit den Zähnen zu knacken, wie es Gebissträger meist unbewusst zu tun pflegen.

Bill Clinton war zum 29. Mal bei Larry, bei anderen hatte er aufgehört zu zählen. Die Gratulanten, von Arnold Schwarzenegger über Clinton bis zu seinen Medienkollegen wie Barbara Walters und Brian Williams sind in der neuen Wiki-Medienwelt selbst längst Gestrige, die ihre Überlebtheit nicht wahrhaben wollen. Ihre Hymen auf ihren Freund klangen geisterhaft. Bye-bye, Larry, time to go.