TV-Kritik

Mensch Gottschalk: persönlich zum Jahresausklang

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Im Jahresrückblick des ZDF hat der Showmoderator nur ein Thema: das Unglück bei "Wetten, dass...?", das die Republik immer noch bewegt.

Hamburg. Ganz selten kann man das Gefühl bekommen, dass Thomas Gottschalk die Sendung wirklich interessiert, die er gerade moderiert. Das war am Sonntag nicht nur zu Beginn von „Menschen 2010“ so, als er mit dem Vater des verunglückten „Wetten, dass...?“-Kandidaten redete, sondern auch im weiteren Verlauf der endlos scheinenden Aneinanderreihung von Allzugefühligem und Nichtwirklichwitzigem. Denn Gottschalk nutzte jede sich bietende (und auch jede sich nicht bietende) Gelegenheit, sein persönliches Unglück anzusprechen: den Unfall des Samuel Koch. Ob „die politische Lichtgestalt des Jahres“, Verteidigungsminister Karl Theodor zu Guttenberg, vor ihm saß und Gottschalk ihm mitteilte, dass er es nun gut nachvollziehen könne, wie es sei, Verantwortung für einen Vorfall zu haben, an dem man persönlich nicht schuld sei, ob es um die geborgenen Bergleute von Chile ging („Wir sehnen uns nach guten Nachrichten.

Und besonders schön ist es, wenn etwas, das als Katastrophe beginnt, dann doch ein Happy End findet.“) oder um die Tragödie bei der Loveparade – „denn das ist auch etwas, das mir passiert ist: Man freut sich auf etwas, und dann...“ haspelt Gottschalk und fügt später hinzu: „Man hätte hoffen können, dass es gut geht dort. So wie ich letzte Woche gehofft habe, dass es gut geht. Da erschrickt man vor seiner eigenen Gutgläubigkeit. Man hat als Erwachsener die Verantwortung, junge Menschen zu beschützen. Und dann versagt man.“ Am Sonntag ging es viel um den „Menschen Gottschalk“. Und das war gut so. Gut für ihn auf jedem Fall. Und für das Publikum auch, waren die persönlichen Kommentare des Moderators doch die einzigen wirklich warmen Momente in einem ansonsten kühl-professionell durchkomponierten Jahresrückblick.