Von einem, der auszog, die Grenzen zu sprengen

Leslie Mandoki bespaßt mit einem Best-of-himself-Album

Emigrieren, das klingt heute oft wie ein bloßer Verwaltungsvorgang. Seine Heimat zu verlassen, um eine neue zu finden, dieser Schritt fällt Künstlern zwar oft leichter als anderen, weil sie ohnehin immer wieder auf der Suche nach neuen Horizonten und Herausforderungen sind. Schwierig, dramatisch, unmenschlich wird es allerdings, wenn man so vor einem massiv eisernen Vorhang steht, wie es der Schlagzeuger Leslie Mandoki vor 35 Jahren am eigenen Leib erlebte.

Damals, er war noch ein Teenager im stramm sozialistischen Ungarn, war von einer realpolitischen Öffnung Richtung Westen weit und breit nichts zu sehen. Mit zwei gleich gesinnten Freunden, dem Musiker Laszlo Bencker und dem Trickfilm-Zeichner Gabor Csupo, machte er sich auf den Weg in die demokratische Freiheit. Und dort dann eine erstaunliche Karriere.

Die drei Studenten hatten eine Jazzrock-Band gegründet und wollten sich nicht länger gängeln lassen. Ein Schlupfloch fanden sie im heutigen Slowenien - den acht Kilometer langen Karawankentunnel Richtung Österreich, vor dem sie drei Tage lang auf ihre Chance zur Flucht warteten. Anschließend ging es kreuz und quer durch Europa. Die dänische Grenzpolizei erwischte sie und schob sie nach Deutschland ab. Sie landeten im Zentrallager für Asylanten im mittelfränkischen Zirndorf. So fing alles an.

Berühmt wurde Mandoki hierzulande vor allem als langmähnigstes Mitglied der Ralph-Siegel-Kostüm-Combo Dschingis Khan. Diese Bekanntheit münzte er später sehr geschickt als Produzent, Songschreiber und Arrangeur für Mainstream-Stars wie Phil Collins oder Lionel Richie um. Mit handverlesenen Fusion-Jazz-Musikern gründete er das Projekt "Man Doki SoulMates"; auch für alte Kumpel wie Udo Lindenberg oder Peter Maffay setzt er sich gern an die Regler.

Als kleines, gediegen rockendes und stargespicktes Dankeschön an die neue Heimat Deutschland veröffentlicht Mandoki nun ein Best-of-himself-Album, auf dem der erste, mit weihnachtlichen Anklängen versüßte Song "Thank you!" ganz offenkundig so gemeint ist, wie er heißt.

Leslie Mandoki : "Thank you!" (Red Rock)