Reißerisch kann ja jeder

Das Duo Pressler & Meneses verzichtet in der Laeiszhalle auf Geschwindigkeitsrekorde

Hamburg. Wie man auf unspektakuläre Art exquisite Musik macht, zeigten der Pianist Menahem Pressler und sein Duopartner, der Cellist Antonio Meneses, am Sonnabend im Kleinen Saal der Laeiszhalle. Schon bei der eröffnenden Sonate D-Dur BWV 1028 verzichteten die beiden Veteranen des Beaux Arts Trios auf die heute bei Bach üblichen Geschwindigkeitsrekorde. Extreme in Tempo und Dynamik sind ihre Sache nicht. Klar, schlicht und übersichtlich legte das Duo die Fäden von Bachs dreistimmigem Gewebe dar.

Auch Brahms' Sonate e-Moll op. 38 kann man sicher um einiges reißerischer, aber wohl kaum farbiger und differenzierter spielen. Schon zu Beginn des ersten Satzes lotete Meneses das in tiefen Lagen unglaublich sonore Timbre seines Instruments voll aus. Und auch Pressler verstand sich wunderbar auf die Kunst, im tiefen Register warme und trotzdem klare, durchhörbare Akkorde zu produzieren. So entstanden Klangmischungen und einzelne Akkordwechsel, die man am liebsten eingerahmt und für die Ewigkeit bewahrt hätte.

Diese Spielkunst bewährte sich auch in Beethovens beiden von jähen Stimmungswechseln zerklüfteten Cellosonaten op. 102. Dem Adagio con molto sentimento aus op. 102/2 etwa gab Meneses eine fast gespenstisch fahle Färbung. Doch fiel so manche von Beethovens Ruppigkeiten in der Lesart von Pressler und Meneses ein wenig zu durchgeistigt aus. Mit der ersten Zugabe, einem Satz aus Debussys Cellosonate, waren diese Bedenken wie weggewischt. Die delikate Farbenkunst des französischen Klanghedonisten ist für Pressler und Meneses offenbar so was wie eine Muttersprache.