Auch in New York gibt's mächtige Vampire

Foto: Scholz Verlag

Rebecca Abrantes' Schauermärchen "Schatten Blut" und "Blut Schatten" sind arg vorhersehbar

Seit die Bis(s)-Reihe von Stephenie Meyer erschien und sich dazu noch als Bestseller erwies, gibt es Vampirbücher, so weit das Auge reicht.

Schauermärchen und Sagen über Wesen, die Menschen das Blut aussaugen, gab es zu allen Zeiten in allen Kulturkreisen. Während die frühen Vampirromane den Sauger als blutrünstiges Monster oder gefährlichen Verführer zum Bösen darstellten, wurde mit der Zeit die Figur des Vampirs zunehmend komplexer.

Die typischen Eigenschaften eines Vampirs, die weitgehend auf Bram Stokers Dracula-Roman zurückgehen (Vampire haben keinen Schatten, verabscheuen Kreuze sowie Knoblauch und zerfallen im Sonnenlicht), werden von modernen Autoren vielfältig ausgelegt, teils verworfen oder durch Neuerfindungen ersetzt. Sie zeigen Blutsauger, die gelernt haben, sich die modernen Gegebenheiten zunutze zu machen (warum aussaugen, wenn es auch mit Blutkonserven geht?), die Mädchen- und Frauenherzen höher schlagen lassen. Sie beschreiben die Vampir-Enkel gezähmt, fast schon humanisiert, gar verniedlicht. Vermengt mit Fantasy, Science Fiction und Realität sind die Zutaten für einen angesagten Bestseller zusammen.

Diese Rezeptur macht sich auch die Braunschweiger Autorin Rebecca Abrantes zu eigen. In "Schatten Blut" will die Fotografin Faye McNamara nur einige ruhige Tage bei ihrer Schwester in London verbringen. Doch dieser Trip stellt ihr Leben vollkommen auf den Kopf. Sie lernt den groß gewachsenen, langhaarigen, reichen, sexy und natürlich Blutkonserven-saugenden Hohlzahn Darian Knight kennen, in dessen Schlafzimmer sie auch prompt landet und in den sie sich verliebt. Doch Schwester Julie leidet zunehmend an Blutarmut, da sie von dem bösen Vampir Legat gebissen wurde. Papa kommt zu Hilfe und klärt seine Tochter über ein Familiengeheimnis auf: Faye entstamme einer sehr alten Ahnenreihe von Schattenjägern, sprich: Ihr ist nun die Bürde aufgetragen, fiese Sauger zu jagen. Ausgebildet wird sie natürlich von "Prince Charming" Darian, kämpft fleißig gegen das Böse, wird sogar vom (Erz-?)Engel Michael unterstützt, bis auch endlich der Mörder ihrer Schwester zu Staub zerfällt.

"Blut Schatten", Teil zwei, im September erschienen, setzt das Schwarz-Weiß, Gut gegen Böse, schonungslos fort. Die Hauptdarstellerin wird durch dunkle Visionen, betreffend ihren Bruders Alistair, nach New York gerufen. Mittlerweile schwanger vom Vampir Darian (Ist das möglich, Bram Stoker?), erkennt sie, dass es auch im Big Apple unzivilisierte Vampire gibt - natürlich treiben diese ihr Unwesen überwiegend in der Bronx. Sie stellt fest, dass ihr Bruder ein Wesen zwischen Werwolf mit indianischen Wurzeln und Vampir-Jäger ist, und nimmt, mit Pflöcken bewaffnet (ah, das funktioniert dann doch noch!), den Kampf gegen alles auf, was ihr ungeborenes Baby und den in Las Vegas geehelichten Traummann Darian bedroht. Natürlich hilft wieder die komplette Verwandtschaft. Ungewöhnliche Schützenhilfe erhält sie erneut von himmlischer Seite: Zu Engel Michael gesellt sich Engel Gabriel. Fehlt nur noch, dass der Allmächtige zutage tritt. Und ab diesem Punkt bleibt nur zu sagen: Gott, verschone uns vor einem dritten Teil! Zu vorhersehbar gestrickt ist der Handlungsablauf, zu eindimensional die Personen.

Rebecca Abrantes: Schatten Blut. Scholz Verlag, 509 S., 19,95 Euro

Blut Schatten. Scholz Verlag, 637 S., 19,95 Euro