Hamlet auf Chinesisch

Das Thalia-Theater gastiert mit dem Shakespeare-Klassiker in Peking

Hamburg/Peking. Seit Wochen laufen die Vorbereitungen - ein Unterfangen, dass Improvisations- und Kommunikationskunst erfordert. Am 4. und 5. Dezember zeigt das Thalia-Theater seinen "Hamlet" in der Neubearbeitung von Feridun Zaimoglu und Günter Senkel als Gastspiel am People's Art Theatre in Peking.

Wer die Inszenierung von Luk Perceval kennt, dem ist sofort die Wand aus schweren Mänteln vor Augen, die wie ein wuchtiger Vorhang die Kulisse füllen. "Dieses Bühnenbild wird in der chinesischen Variante durch Fäden vom Boden bis zur Decke ersetzt, auf die zugleich der übersetzte Text in Schriftzeichen projiziert wird", erklärt Regieassistent Jonas Zipf. Während Teile des fast 40-köpfigen Teams schon am Sonntag in die Volksrepublik geflogen sind, treffen die meisten Darsteller erst heute in Peking ein.

Eingeladen wurde das Thalia von dem Festival "Invitational Theatre Exhibition", das erstmalig in Peking stattfindet und primär Produktionen von Lin Zhaohua zeigt. Der chinesische Regisseur gilt als Vertreter des experimentellen, kontroversen Theaters in China, er kombiniert etwa moderne Bühnenformen mit der klassischen Peking-Oper, hat aber 1994 in China auch einen "Faust" inszeniert. Im Gegenzug ist Lin Zhaohuas Stück "Der Unterhändler" am 28. und 29. Januar während der Lessingtage in Hamburg zu sehen.

Leider reist Mirco Kreibich nicht mit nach China. Der Akteur, der im "Hamlet" unter anderem als komplette Schauspieltruppe brilliert, steckt in den Proben für die Hauptrolle in "Don Carlos", der die Lessingtage am 22. Januar eröffnet. Schade. Denn gerade Kreibichs Artistik auf der Bühne braucht eines nicht: die Übersetzung.