Schreien, flüstern, krächzen, stöhnen, kurz gesagt: Joe Cocker

Hamburg. Wie macht der Mann das bloß? Seine Stimme kann mit jedem Reibeisen dieses Planeten mühelos mithalten. Joe Cocker, 66, präsentierte sich am Freitagabend den 8000 Zuhörern in der O2 World in perfekter Verfassung und äußerst druckvoll. Und das heißt bei ihm vor allem: schreien, flüstern, krächzen, stöhnen, explodieren.

Wenn dann noch Bässe und Schlagzeug in den Bauch gehen, die Hammond-Orgel soulig stöhnt und die beiden Background-Sängerinnen dem Star hin und wieder stimmlich das Wasser reichen dürfen, dann sind alle Voraussetzungen für einen großartigen Rock-Abend erfüllt. Mit neuer CD ("Hard Knocks") nach dreijähriger Pause kam Cocker wie frisch erholt nach vorn und dröhnte los, anfangs noch etwas verloren in der Lautstärke, die das Mischpult der Band mit auf den Weg gab. Später, nach den eher kammermusikalisch intonierten Songs "Up Where We Belong" und "You Are So Beautiful", blieben auch da keine Wünsche mehr offen. Cocker bescherte den Fans ein Wiederhören mit vielen alten Bekannten wie "Unchain My Heart", "You Can Leave Your Hat On", "Feelin' Alright", "Come Together", aber er sang natürlich auch Lieder der neuen CD.

Furios der eigentliche Schlusspunkt, Cockers Woodstock-Hymne "With A Little Help From My Friends". Wann haben sich je ein genialer Song und ein genialer Sänger, vollgepumpt mit dem Lebensgefühl von Blues und Rock, derart ideal ergänzt? Eine ganze Reihe von Zugaben war die unausweichliche Folge. Andere müssten, wenn sie sich so sehr die Seele aus dem Leib gesungen haben, ein paar Wochen Pause machen. Joe Cocker aber stand schon am Abend danach wieder auf der Bühne, in Berlin.