Ihre letzte große Rolle

Monica Bleibtreu brilliert in dem TV-Film "Ladylike - Jetzt erst recht!" nach dem Roman von Ingrid Noll

Hamburg. Die Damen sind ein bisschen jünger und verrückter als im Roman von Ingrid Noll, aber die Botschaft bleibt die gleiche: Nur weil eine Frau in die Jahre gekommen ist, sollte man sie nicht unterschätzen; und übersehen schon mal gar nicht.

Mitunter wirkt die Geschichte zwar, als habe sie sich bloß bei den Motiven der ungleich subtileren schwarzhumorigen Vorlage bedient, aber dank der beiden großartigen Hauptdarstellerinnen ist "Ladylike - Jetzt erst recht!" sehr unterhaltsam. Außerdem handelt es sich um die letzte Hauptrolle der im Mai 2009 mit 65 Jahren viel zu früh verstorbenen Monica Bleibtreu.

Die großartige Schauspielerin wusste bereits während der Dreharbeiten um ihre Krankheit. Umso bewundernswerter ist ihre Leistung in dieser Komödie, die eine Hommage für das Alter ist: Als ihnen die Gatten abhandenkommen, gründen die zugeknöpfte Lore (Bleibtreu) und ihre lebenslustige Freundin Anneliese (Gisela Schneeberger) eine Weiber-Wohngemeinschaft. Kleine Delikte sorgen für Würze im Seniorinnenalltag, nie begangene Jugendsünden werden endlich nachgeholt; zumindest für die quietschvergnügte Anneliese ist der Lebensabend dank Sex, Drogen und Alkohol höchst vergnüglich.

Allein ein Kripo-Kommissar (Horst Westphal) will den beiden Damen das Vergnügen nicht gönnen. Schon das Ableben von Annelieses Gatten hat ihn stutzig gemacht. Als dann auch noch Lores Arbeitgeber das Zeitliche segnet und ein kostbares Schmuck-Ensemble verschwindet, steht der hartnäckige Beamte schon wieder vor der Tür. Aber auch er erliegt dem Charme der Damen, ebenso wie ihr gemeinsamer einstiger Jugendschwarm Ewald (Günther Maria Halmer), der Annelieses Schamlosigkeit allerdings nicht minder schamlos ausnutzt.

Während es Ingrid Noll in ihrem komödiantischen Roman gern bei Andeutungen belässt, auf die sich jeder seinen eigenen Reim machen kann, setzen Drehbuchautorin Gerlinde Wolf (nach einer Vorlage von Christian Schnalke und Volker Kutscher) sowie Regisseurin Vanessa Jopp ein Ausrufezeichen nach dem anderen.

Oliver Berben hat die außergewöhnliche Komödie produziert - es ist nach "Der Hahn ist tot" die zweite ZDF-Verfilmung nach einem Roman der Schriftstellerin - und zwei großartige Schauspielerinnen zusammengebracht, die vorher noch nie zusammen vor der Kamera gestanden hatten. Gisela Schneeberger legt den krawalligen Paradiesvogel Anneliese fast als Karikatur an. Umso größer ist die Diskrepanz zur kultivierten Lore, die in Buch und Film als Erzählerin fungiert; Renate Bleibtreu hat diese Aufgabe nach dem Tod ihrer Schwester, der die Produzenten den Fernsehfilm gewidmet haben, übernommen. Allerdings lässt schon der knallbunte Vorspann keinen Zweifel daran, dass "Ladylike - Jetzt erst recht!" kein Film für Zwischentöne ist.

"Ladylike - Jetzt erst recht!" heute 20.15 ZDF