Gruenspan: Aura Dione

Gaga in Woodstock, von langer eigener Hand geplant

Foto: Universal

Bekömmlicher dänischer Pop mit Aura Dione am 15. November im Gruenspan. Das Konzert wurde aus der Mondial-Halle zurück verlegt.

Eigentlich dürfte es doch niemanden interessieren, wenn ein Lifestyle-Sender mit Quoten im kaum messbaren Bereich lächerliche Musikpreise an lächerliche Künstler in lächerliche Kategorien vergibt. Und doch waren die MTV Europe Music Awards 2010 in Madrid vor wenigen Tagen doch wieder medial omnipräsent. Gaga blabla.

Zugegeben, dass die wenigen verbliebenen MTV-Zuschauer 30 Seconds To Mars zum - gacker! - besten Rock-Act, Paramore zum besten Alternative-Act oder Sido zum besten Deutschen Künstler wählten, spielte keine Rolle. Wichtig waren die Puppen. Lady Gaga war nicht da, aber die beste hier und die beste da. Katy Perry, Kesha, Shakira, Rihanna und Miley Cyrus waren nominiert, prämiert oder auf der Bühne. Sprich: Der ganze Mist auf einem Haufen.

Und es kommt ja immer noch was nach. Die Mechanismen des Lady-Pops, seine Effekte, Versprechen und Publicity-Tricks ("Busen-Blitzer") bewähren sich seit Oma Madonnas Anfängen immer wieder. Nur Namen und Biografien ändern sich. Vor einem Jahr zum Beispiel stand plötzlich das Liedchen "I Will Love You Monday" auf dem ersten Platz der deutschen Single-Charts. Gesungen von Newcomerin Aura Dione aus Kopenhagen.

Die 25 Jahre junge Dänin konnte gar nicht anders, als Musik zu machen. Schließlich sollen ihre Eltern, ausgewiesene Hippies, sie nicht nur jahrelang mit Gitarren in den Seesäcken über die Weltmeere gesegelt haben, sondern auch für die Kunst aus eigener Hand geprägt haben. Und so schreibt Dione ihre Songs, gestaltet ihre Kleidung und ihr Image - eine Art Lady-Gaga in Woodstock, wenn man so will.

Für die Songs ihres Debütalbums "Columbine" gab es bisher zwar nur Auszeichnungen bei den "Danish Music Awards 2009", aber was nicht ist, kann ja noch werden. Denn verspielt instrumentierte Lieder wie "Song For Sophie" oder "Little Louie" stoßen in die enge Lücke zwischen oben genannten Pop-Beauties und eher Folk-angehauchten Kolleginnen wie Marit Larsen oder Amy Macdonald. Bekömmlicher Mainstream, aber weitab von interessanten Damen wie Sophie Hunger, Feist oder Florence & The Machine, mit denen Dione - warum auch immer - bereits verglichen wurde.

Übrigens: MTV Germany wandert im kommenden Jahr ins Bezahl-Fernsehen ab. Nur falls jemand diesen Sender vermissen sollte.

Aura Dione Mo 15.11., 20.30, verlegt vom Gruenspan in die Mondial-Halle und wieder zurück ins Gruenspan (S Reeperbahn), Große Freiheit 58, Eintritt 30,-; www.aura-dione.de