Irgendwann im November

Das World Wide Web hat Geburtstag. Aber wann? Und wie alt wird es überhaupt? Schwer zu beantwortende Fragen

Genf/www. Wie begeht man einen digitalen Geburtstag? Man googelt. Denn im Internet kann man fast alles erfahren, angeblich vergisst das Netz nichts: Nur der eigene Geburtstag ist irgendwie untergegangen. Niemand weiß mehr genau, wann die erste Webseite online ging. Einige behaupten, am 12. November vor 20 Jahren sei es so weit gewesen, andere möchten den 13. November 1990 als historisches Datum in den (digitalen) Geschichtsbüchern sehen.

Die Schweizer vom CERN müssten es wissen. Schließlich nahm in Genf der WWW-Wahnsinn seinen Anfang, von dort aus wurde die erste Webseite online gestellt. Doch nicht einmal die Eidgenossen wissen Genaueres: "Irgendwann im November", bekommt man zu hören. Und auch wenn man Tim Berners-Lee, den Vater des modernen Web, nach dem geheimnisvollen Datum fragt, bekommt man dieselbe Antwort: "Irgendwann im November."

Na, dann feiern wir einfach an diesem Sonnabend das Jubiläum des World Wide Web und googeln standesgemäß nach ein paar Ideen für die Feier. 13,3 Millionen Einträge wirft das Suchwort "Geburtstag" aus. Ganz oben eine Seite, die sich als Portal "für alle Feste, Feiern und Anlässe" selbst bewirbt. Prima, genau das Richtige. Oder? Denn es gibt gerade einmal zwei Gedichte zum 20. Geburtstag; eines grässlicher als das andere. Dafür kann man mit nur einem Klick "die ganz persönliche CD zum Geburtstag mit Ihrem Vornamen" bestellen. Aber wie heißt das Internet mit Vornamen? Und: Duzen wir uns?

Also wird man konkreter: "Internetgeburtstag" heißt der neue Suchbegriff. Doch der stiftet bloß noch mehr Verwirrung. Nach den ersten Links weiß man kaum mehr, wie alt man selbst ist: 41, 17, 21, 27 oder vielleicht doch 36? Die Vorschläge zur Datierung des Netzes sind erstaunlich unterschiedlich. Und eine Idee, wie man den mehr oder weniger runden Geburtstag jetzt anständig feiert, hat man immer noch nicht. Dafür beginnt man zu ahnen, warum das Jubiläum in Vergessenheit geraten ist. Schiere Verzweiflung ob der nutzlosen Datenflut.

Wenn nicht einmal Google hilft, muss man sich wohl doch wieder selber Gedanken machen: Was schenkt man dem Web zum Geburtstag? Eine neue Homepage? Besser nicht, davon hat es ja schon über 200 Millionen. Dann lieber ein Antivirusprogramm für die Gesundheit. Und statt einer Torte gibt es ein paar leckere Cookies.