Horwitz singt Brel, Gefühle in Zartbitter

Ein grandioser Abend im St.-Pauli-Theater mit nie gehörten Chansons

Hamburg. Warum fühlt sich Liebe auf Französisch immer ein bisschen anders an? Verruchter, leidenschaftlicher, zärtlicher, und bei Trennung melancholischer, verzweifelter, schwärzer? Vielleicht deshalb, weil Chansonniers wie Jacques Brel ihren Glanz und ihr Elend besungen haben. Brel, geboren in Belgien, Karriere als Chanson-Schreiber und -Sänger vor allem in Frankreich, begraben auf den Isles des Marquises in der Südsee, hat den ganzen Schlamassel bedichtet und besungen und dafür gesorgt, dass die zarten Pflänzchen Hoffnung und Liebe immer neu zwischen Verwundungen und Verkarstungen aufkeimen. Jacques Brel starb 1978, aber wenn solche Sänger großes Glück haben, leben sie weiter. Weil sich einer findet, der in ihre Lieder schlüpft, weil sie ihm passen und er ihnen neuen Atem einhaucht.

Dominique Horwitz, geboren in Paris, tut das seit vielen Jahren mit den Chansons von Brel. So gut, pointiert und intensiv, dass man nach Minuten vergisst, dass da nicht der Urheber der Chansons selbst auf der Bühne des "St.-Pauli-Theaters" steht. Horwitz schickt jedem Lied eine knappe Einführung voraus - gerade so viel, dass auch die, die nicht Französisch verstehen, in die Bilder und Stimmungen hineingezogen werden. "Brel! un concert" hat er sein neues Programm genannt, komponiert aus bekannten Brel-Hits ("J'arrive", "Amsterdam", "La cathedrale") und erst kürzlich veröffentlichten, nie von Brel gesungenen Werken.

Horwitz interpretiert anfangs zurückhaltend, nimmt aber in der zweiten Hälfte des Abends zunehmend Fahrt auf und spielt - den kecken Revoluzzer, der zum Bourgeois mutiert, ebenso hinreißend wie das Pferd, das sich nicht völlig ummodeln lassen will und dann in der Gunst der Geliebten einem Zebra weichen muss ... Sumpfblüten der Liebe, Gefühle in zartbitter. Sehnsucht mit Akkordeon, Gitarre, Klavier, Bass und Percussion. Einige Tränchen fließen, Pärchen versichern sich, dass wenigstens ihre Liebe niemals ... dann spült begeisterter Applaus jede Wehmut fort. Ein großer Abend!

Dominique Horwitz: Brel! Un concert, "St.-Pauli-Theater", Spielbudenplatz (U St. Pauli/S Reeperbahn). Noch bis 21. November täglich (außer Mo) 20.00, Karten bei den Abendblatt-Ticketshops und unter 040/47 11 06 66