Uebel & Gefährlich: Caribou

Verschwenderische Klangwelt ohne Grenzen

Foto: City Slang

Daniel Victor Snaiths Projekt Caribou ist die Indie-Elektroband der Stunde. Am 15. November kommt der Pop-Nerd ins Uebel & Gefährlich.

Daniel Victor Snaith gilt als der Elektroniker unter den Musiknerds. Da passt es fast schon zu gut ins Klischee, dass er eine Promotion in Mathematik sein Eigen nennt. Wie übrigens auch beide Elternteile, der Vater lehrt in Sheffield, die Mutter in Bristol. Snaith trägt ein herrlich unmodisches Lesegestell in Tropfenform. Auf keinem einzigen Foto sieht man ihn auch nur ansatzweise lächeln. Nach abstrakten, seelenlosen Formeln klingt seine Musik deshalb noch lange nicht. Vielmehr entfaltet er eine Klangwelt, die er verschwenderisch mit Shoegazer-Gitarrenechos und allerlei Glockengeklingel auflädt.

Lange hat kein Album die alternative Elektro-Gemeinde so nachhaltig verzückt, wie Caribous aktuelles Werk "Swim". Seit dem Frühjahr hält es sich in Bars und auf Partys. In dem Hit "Sun" kriecht die Hitze förmlich durch die Luft. Lange klang elektronische Musik nicht mehr so kühl, gelangweilt und innovativ zugleich. Das wunderbar spleenige "Kaili" beglückt mit seinen rhythmischen Schlenkern und melodischen Wendungen. "Bowls" erinnert mit seinem cinemascope-artigen Sound dagegen eher an die goldenen Tage von Kruder & Dorfmeister. An die coolen, urbanen Bars der 80er-Jahre, an Menschen, die versuchen einer eisigen Arbeitswelt zu entfliehen.

Zur Belohnung gab's für das Album einen Platz auf der Polaris Music Prize Shortlist. 2008 hat Caribou ihn bereits erhalten für sein noch deutlich verspielteres, hippieskes Album "Andorra". In seinen Anfängen nannte sich Snaith Manitoba, musste den Namen jedoch nach einem Streit mit dem Sänger der Dictators ändern. Seine ersten Gehversuche klangen, als würde er versuchen, Großmeister DJ Shadow in der Kunst zu übertreffen, Big Beat und Jazz zu sampeln, bis nicht mehr erkennbar ist, wo das eine aufhört und das andere beginnt.

Ein wenig ist Snaith als Ein-Mann-Orchester die minimalistische Version der gefeierten Band Hot Chip. Und genau wie diese schickt sich nun auch Caribou an, das Uebel & Gefährlich am 15. November ordentlich in Wallung zu versetzen. Live verstärkt sich Dan Snaith gerne um drei enge Musikerfreunde und zieht sich auf die Perkussion zurück. Er darf das. Schließlich ist er der Musiknerd der Stunde.

Caribou Mo 15.11., 21.00, Uebel & Gefährlich, Feldstraße 66, Karten zu 18,30 im Vorverkauf; www.caribou.fm