Simple Life Festival

Szenen aus dem Alltag

Foto: Kampnagel / Kampnagel/roualdes

Das Simple Life Festival präsentiert auf Kampnagel Künstler mit und ohne Handicaps

Junge Migranten erleben sich fremd in einer fremden Kultur. Menschen mit geistigen oder körperlichen Handicaps fühlen sich isoliert. Zwillingen fallen auf in ihrer Doppel-Existenz. So einfach, wie das Alltagsleben vielen erscheint, ist es für Außenseiter in dieser auf Flexibilität und Funktionieren, Körperkult und Styling fixierten Gesellschaft nicht. Das Simple Life Festival stellt einige biografische Beispiele in internationalen Tanz- und Theater-Produktionen vom 12. bis 21. November in der Kampnagelfabrik vor.

Bereits 2004 haben Jutta Schubert und Angela Müller-Gianetti das Simple Life Festival in Berlin mit großer Resonanz organisiert. Die zweite Ausgabe veranstalten die beiden vom Verband Kunst und Behinderung EUCREA e.V. nun in Kooperation mit Kampnagel. Gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes und "Aktion Mensch" konnten die Kuratorinnen sieben Projekte von unterschiedlicher Thematik und prägnanter Ästhetik einladen. "Sie haben jedoch nichts mit den theaterpädagogischen Ansätzen von Laientheater zu tun", betont Jutta Schubert. "Sie stehen für eine eigenständige Kunstform mit hohem professionellen Anspruch."

Das Künstlerkollektiv Rimini Protokoll hat die "Spezialisten des Alltags" ins Theater gebracht. Und einen Trend des biografisch-dokumentarischen Theaters mit Akteuren aus verschiedenen Berufs- und Lebensbereichen ausgelöst. Die argentinische Regisseurin Lola Arias arbeitete mit Rimini Protokoll, entwickelt nun eigene Stücke - wie "That Enemy Within" (12./13.11., 21.00) mit den Becker-Zwillingen aus Berlin. Der koreanische Choreograf Namjin Kim zeigt die "Story of B & Brother" (12./13.11., 19.30), die Cie. Création Ephémère mit "comédiens différents" das Theaterstück "Variations Antigone" (18./19.11., 19.00).

In ihrer Programm- und Themenwahl lassen Schubert und Müller-Gianetti erkennen, dass sie kein "Behinderten-Festival" für Behinderte veranstalten. Sie wollen die Gruppen in Kontakt bringen, die viel propagierte Inklusion praktizieren und mischen Besucher wie Künstler und "Mixed abled"-Akteure.

So hat EUCREA zum dritten Mal einen Literaturwettbewerb für Menschen mit einer geistigen Beeinträchtigung ausgeschrieben und präsentiert beim Festival die Gewinnertexte im Buch "diese tagträume tragen mich in die nächte des tages". Eine Jury hat Texte aus 300 Einsendungen ausgewählt, viele der Autoren sind zur Lesung mit Musik eingeladen (16.11., 20.00). Eine besondere Aktion sind die Ein-Euro-Tickets für Hartz-IV-Empfänger. Zwei Besucher, die für ihre Karten 8 Euro mehr bezahlen, ermöglichen damit einem anderen einen Theaterbesuch.

Simple Life Festival 12.-21.11., Kampnagel (U Borgweg, Bus 172/173), Jarrestr. 20-24, Karten 12,- bis 22,-, erm. 8,- T. 27 09 49 49; www.kampnagel.de