Die unglaubliche Leichtigkeit des Lang Lang

Hamburg. "Schon wieder Lang Lang und schon wieder mit einem Chopin-Konzert." Fein- und Schöngeister, die sich unter solchen Vorbehalten in die Laeiszhalle begaben, wurden vom Gastspiel des Pianisten mit dem Orchestra dell'Accademia Nazionale di Santa Cecilia angenehm überrascht.

Hier haben sich die Richtigen gefunden. Der Chef der Römer, Antonio Pappano, sieht nicht nur aus wie Kaiser Nero, er dirigiert auch so: mit großer Geste, halb exaltierter Dichter, halb Imperator. Und entsprechend stand auch auf dem Programm neben Chopins Konzert e-Moll nur ganz großes Theater: Rossinis "Semiramide"-Ouvertüre und Berlioz' "Symphonie fantastique".

Ohne allzu viel Theater - für seine Verhältnisse - spielte Lang Lang. Dafür aber mit einer unglaublichen Leichtigkeit, Selbstverständlichkeit und intuitiven Musikalität. Ja, er schüttelt dieses Repertoire buchstäblich aus dem Ärmel. Fast meint man, er setzt in den lyrischen Passagen nur deshalb eine Leidensmiene auf, um sich selbst vom hochkulturellen Bierernst dieses Kinderspiels zu überzeugen. Denn eigentlich geht's um die reine Lust am Klang.

Das galt auch für Pappano und sein Orchester. Die ließen Rossini zünden und Berlioz so richtig krachen und besorgten am Ende das Zugabe fordernde Fußgetrampel auch gleich selber. Ohne sich lange bitten zu lassen, gab's dann noch, was ohnehin jeder von ihnen hören wollte. Rossinis "Willhelm Tell"-Ouvertüre. Tante grazie.