Schüsse aus der Konfetti-Kanone und ein irrwitziger Balanceakt

Hamburg. "Lauter schöne pazifistische Gesichter hier", höhnt Griechengeneral Agamemnon ins Publikum. Die Gesellschaft überlasse die Sicherung ihres Wohlstands der blutigen Arbeit der Soldaten. Zynisches Grinsen: "Dafür gehe ich in die Geschichte ein." Agamemnon verteidigt den Angriff auf Troja.

André Szymanski führt das furiose Schauspieler-Quartett auf der Thalia-Probebühne in die Wort-Schlachten von Tom Lanoyes "Atropa. Die Rache des Friedens". Jubel für die Inszenierung von Antú Romero Nunes.

Es geht dabei weniger um den Konflikt zwischen Okzident und Orient als um Logik und Rechtfertigung des Krieges im Zeichen von Demokratie, Freiheit, Kultur und Religion. Daniel Lommatzsch (Iphigenie), Rafael Stachowiak (Klytämnestra) und Julian Greis (Helena) balancieren zwischen Mann und Frau, Opfer und Täter und gehen zum Angriff aufs Publikum über. Sie überführen das Stück in eine ironisch gebrochene Groteske über die Unbelehrbarkeit der Menschheit, kommentieren parallel die Figuren und reflektieren über Nacktheit oder "echte" Tränen.

Obwohl nur Konfetti-Kanonen explodieren, schlägt "Atropa" ein und trifft zielsicher die wunden Punkte in der ambivalenten Debatte über die Verteidigung unserer Kultur.

Atropa. Die Rache des Friedens 2., 3., 30.11., 20.00, Probebühne Thalia Gaußstraße, Karten T. 32 81 44 44