Galerie Rose

Utopie der Wirklichkeit

Foto: Michael Fieseler

Galerie der Woche: Bei Rose sind mit "Die Entdecker" aktuelle Arbeiten des Malers Michael Fieseler zu sehen

Galerie Rose. Auf den ersten Blick sehen die Bilder des Michael Fieseler aus wie klassischer Fotorealismus. Täuschend echt scheinen sie direkt vom Polaroid mit Farbe auf die Leinwand gebannt zu sein. In "Jenseits des Horizonts - der Ewige" hockt ein Mann seltsam introvertiert in einer Pflanzenlandschaft. Sein Fuß scheint mit ihr verwachsen zu sein. Hinter ihm sind Strukturen eines mit Fell bewachsenen Helms, eines Kragens und einer Lanze erkennbar.

Erst bei näherem Hinsehen entdeckt der Betrachter, dass die Strukturen ineinander übergehen, ohne je ein abgeschlossenes Ganzes zu bilden. Die Szene strahlt etwas Unheimliches, aber nichts Kriegerisches aus. Die Pflanzen wirken in ihrer Fleischigkeit so unnatürlich und fremd wie von einem anderen Stern. Sie gaukeln eine Realität vor, die nicht existiert. "Je länger man das Bild betrachtet, desto mehr rätselt man, wie er das gemacht hat", sagt Galerist Dirk Rose. Ein surreales Spiel mit der Wahrnehmung.

Das Bild ist Teil einer Schau mit dem Titel "Die Entdecker" mit aktuellen Werken des Künstlers Michael Fieseler, die noch bis zum 13. November in der Galerie Rose in der Neustadt zu sehen ist. Der Inhaber hat die Entwicklung Fieselers von der expressiven, fast abstrakten Malerei hin zur Phase des Realismus mitverfolgt. Fieseler ist einer von rund 30 Künstlern, die der Galerist seit Jahren begleitet. "Viele suchen stets das Neue, aber ich kümmere mich lieber richtig um meinen Stamm."

Als der junge Ingenieurstudent Rose, damals noch in West-Berlin wohnhaft, begann, sich für Kunst zu interessieren, regierte die Abstraktion. Doch Rose glaubte an die Malerei und die Zeit gab ihm recht. Gemeinsam mit seiner damaligen Freundin eröffnete er eine Galerie in West-Berlin. Nach der Trennung blieb sie dort, Fieseler zog nach Hamburg.

1981 startete er seine Galerie zunächst in der Koppel in St. Georg, nach ein paar Jahren zog er um in den Großen Burstah in Rathausnähe. Der weitläufige Raum mit den hohen Decken ist ideal für großformatige Gemälde, wie Fieseler sie malt. Roses fester Künstlerstamm umfasst einige Maler aus den alten Berliner Tagen wie Johannes Grützke, außerdem Größen wie Bernhard Heisig, international erfolgreiche Maler wie den Holländer Edwin Hagendoorn, aber auch Hamburger wie Meike Lipp oder Andreas Homberg und den prominenten Zeichner Janosch. "Das Spektrum reicht von 'wilder' Abstraktion bis zum Fotorealismus eines Jan Peter Tripp", sagt Dirk Rose.

Bei Michael Fieseler wirkt das Realistische stets utopisch. In "Saknussems Reise" von 2009 stapft Saknussem, eine Figur aus Jules Vernes Roman "Die Reise zum Mittelpunkt der Erde", durch eine mit Pflanzen überwucherte Gebirgslandschaft, die auch als Parodie auf Salvador Dalí durchgehen könnte. Die kleinformatigen Motive Fieselers erinnern an Expeditionsfotografien von Scott und Amundsen. In der aktuellen Arbeit "Der Geologe" gräbt ein Forscher in einem lichtdurchfluteten Pflanzenloch am Boden. Der Schein erinnert an die feine Lichtarbeit der Spätrenaissance. Elemente der Kunsthistorie, der Reportagefotografie und der Literatur verarbeitet Fieseler zu einer verzaubernden Ikonografie der Erinnerung.

Michael Fieseler: bis 13.11., Galerie Rose (U Rödingsmarkt), Großer Burstah 36, T. 36 56 36, Di-Fr 11.00-18.00, Sa 10.00-14.00; www.galerierose.com