Galerie für Landschaftskunst

Die Kunst starb einst auf der Straße

Foto: Galerie für Landschaftskunst

Die Galerie für Landschaftskunst zeigt "Extinct Topographies" von Bob Braine

Galerie für Landschaftskunst. Gäbe es in der Kunst eine Entsprechung zum cineastischen Roadmovie, der New Yorker Künstler Bob Braine wäre ihr Regisseur. Seit Jahren begibt sich Braine auf Reisen, auf Straßen oder Flüssen, in unwegsame Gelände oder mitten in die Städte. Zu Fuß, mit dem Auto, mit Boot oder Fahrrad durchquert er die Kontinente dieser Welt, von Südamerika über die Staaten bis nach Kiel und Hamburg.

Anders aber als im echten Roadmovie lockt sein Protagonist nicht der Ruf nach persönlicher Freiheit und Identität. Braine erkundet auf seinen kleinen wie großen Exkursionen vielmehr die Landschaft. Eine Landschaft, die zwar längst entdeckt und auf allen Karten dieser Welt eingetragen ist und jeglicher Pionier in ihr obsolet ist. Eine Landschaft aber, die Braine in akutem Notstand sieht. Denn in ihr kollidiert die tradierte Vorstellung von einer natürlich gewachsenen Landschaft und Umwelt mit dem realen Verhältnis des Menschen zu ihr.

Man könnte Braine somit als Umweltaktivisten bezeichnen, der auf seinen Reisen das Verhältnis zwischen Wunschbild und Realität auslotet. Als einen, der "die ständig im Wandel befindlichen Kräfteverhältnisse zwischen industriellen und naturhaften Variablen in gegenwärtigen Ökosystemen" registriert. Anders aber als politische Umweltaktivisten mit ihren spektakulären Medienauftritten vor dem Hintergrund skandalträchtiger Umweltsünden, wertet Braine seine Erkundungen künstlerisch vielseitig mit großer erzählerischer Geste aus.

In der Galerie für Landschaftskunst, mit der Braine seit Jahren kooperiert, sind zurzeit neueste Arbeiten des Künstlers ausgestellt. Zu sehen sind unter dem Titel "Extinct Topographies" (erloschene Topografien) Entwürfe für künftige Straßenschilder sowie Fotografien seines langjährigen, in 1986 begonnenen Forschungsprojekts der "Road Kills". "Road Kills", das meint Tiere als Verkehrsopfer, die Braine entlang der legendären NY Route 385 auffand und fotografisch dokumentierte.

Die Straße ist nicht irgendeine, sondern führt durch die von Künstlern und Literaten im 19. Jahrhundert viel gepriesene nordamerikanische Landschaft entlang des Hudson Rivers. Als harscher Kontrast dazu nun die platt gewalzten Körper der Straßenfauna, Maulwurftatze, Stinktier oder Waschbär. Es sind nicht nur Tierporträts der besonderen Art, angesiedelt zwischen Zynismus, Mahnung, Komik und Kritik. Sondern in Braines Worten auch Landschaftsaufnahmen, da sie die wunde Stelle offenlegen, "wo eine perfekte Natur mit den unbeholfenen Landschaftseingriffen des Menschen im 20. Jahrhundert kollidiert".

Mit seiner Arbeit "Road Kill Coat" wechselt Braine schließlich in die Verwertung der Kadaver. Der Mantel, der auf den ersten Blick wie die Wiederbelebung des alten Trappergewands aussieht, Ergebnis vermeintlich ehrlicher Jagdarbeit, entpuppt sich als Umweltdesign aus bislang ungenutztem Recyclematerial, ein Patchwork aus den Häuten von Stinktier, Opossum, Waschbär, Hase und Hirsch. Und eine bitterböse Wendung des viel zitierten Goldes, das auf der Straße liegt. Schade, dass man es nicht sieht.

Bob Braine: Extinct Topographies: bis 5.11., Di-Fr 11.00-18-00, Sa 12.00-15.00 und nach Vereinbarung, Galerie für Landschaftskunst (U Rödingsmarkt), Admiralitätstraße 71, T. 37 50 30 68; www.gflk.de