Filmkritik

Die italienische Effi Briest im Modezirkus

| Lesedauer: 2 Minuten

Foto: MFA-Film / MFA-Film/MFA

Schauspielerin Tilda Swinton rettet das üppig bebilderte Liebesdrama "I Am Love". Ein Film über die Kluft zwischen Konvention und Gefühl.

Zugegeben, schon der Titel "I Am Love" deutet die pure Hybris an. Doch er greift nicht zu kurz, wenn man Tilda Swinton als eine Art italienische Effi Briest durch Luca Guadagninos schwül-lasziven Film stelzen sieht. Lange Zeit ist sie die Gefangene im Goldenen Käfig, die ihrem Ehemann, dem großbürgerlichen Spross eines Modeimperiums, vor Jahren aus der russischen Tristesse nach Mailand gefolgt ist.

Hier dekoriert sie aufs Perfekteste das stilvolle Interieur, hält brav die gesellschaftlichen Fäden zusammen und kümmert sich mit Liebe um zwei Söhne und eine Tochter. Lange bleibt die Oberfläche glatt und unendlich elegant. Bis erste Risse auftauchen. Schon der Name ihres Mannes Tancredi entstammt nicht zufällig aus Lucchino Viscontis Patriarchen-Abgesang "Der Leopard" (1963). Die Firmennachfolge gestaltet sich kompliziert, die Tochter liebt plötzlich eine Frau, und auch Emma bricht schließlich mit einem Freund ihres Sohnes, einem ambitionierten Koch, aus. Tauscht äußerst symbolträchtig die im Schnee festgefrorene Villa gegen die sonnige Natur San Remos. Sie entdeckt ihre russische Vergangenheit wieder, schneidet sich das Haar kurz und tauscht die Kostüme gegen eine lässige Outdoorklamotte.

Guadagnino wählt seine Bildmetaphern derart plump, lässt etwa Statuen weinen, dass man irgendwann die Überästhetisierung nicht mehr genießen kann. Allzu manieriert kommt diese Emanzipationsgeschichte dann doch daher. Tilda Swinton muss den Film mal wieder retten, und das tut sie mit feinem Minimalismus. Die übrigen Schauspieler bleiben blass. Sie dienen nur als Nebenfiguren eines gesellschaftlichen Gemäldes, das sich bemüht, die Kluft zwischen Konvention und Gefühl besonders tief auszuleuchten. Und doch in einer Art oberflächlicher Homestory hängen bleibt.

I Am Love Italien 2009, 120 Minuten, ab 12 J., R: Luca Guadagnino, D: Tilda Swinton, Flavio Parenti, Edoardo Gabbriellini, Alba Rohrwacher, Pippo Delbono u. a., täglich im Abaton, Passage; Infos im Internet unter www.iamlovemovie.com

Bewertung: annehmbar

( (asti) )