Nahrung ist hörbar, eine Schallplatte schmeckt grün

Bei der ersten YouTube-Biennale wurden 25 Kurzfilme ausgezeichnet

Die Netzkunst hält Einzug im Museum. Die vom Guggenheim-Museum und YouTube ausgerufene Biennale der Videokunst hat über 23 000 Bewerber angezogen - 125 Kurzfilme blieben nach einer Vorauswahl übrig. Über die entschied nun eine Fachjury, sie bestand aus Designern, Künstlern und Musikern, bekannte Namen waren darunter, wie Regisseur Darren Aronofsky ("The Wrestler"), Popkünstler Takashi Murakami oder die Performance-Künstlerin Laurie Anderson. Den Vorsitz hatte Guggenheim-Chefkuratorin Nancy Spector.

25 Videos umfasst die letztendliche Auswahl, Spector beschreibt sie so: "Diese Videos repräsentieren den vollen Umfang der Genres und Techniken, die typisch für diese Plattform sind. Das Resultat ist die ultimative YouTube-Playliste." Mit solcherlei Lob und einer Kurzausstellung in den Guggenheim-Museen bedacht wurden Projekte, die so unterschiedlich wie sehenswert sind.

Die verstörenden Geschichten von nordirischen Taxifahrern, die im blutigen Konflikt zwischen Katholiken und Protestanten verletzt wurden, stehen neben der komischen und gefühlvollen Analyse der Schüchternheit, die ein französisches Team eingereicht hat. Ein wunderbar absurder Dialog zwischen dem schwedischen Schriftsteller August Strindberg und einem Heliumballon ist ebenso komisch wie "This Aborted Earth", eine Parallelwelt aus Holzstichen, deren Humor und Optik in bester Tradition von Monty Pythons Flying Circus steht.

Dazu gesellen sich sehr viele Filme, die die Realität, ihre Auflösung, Verfremdung oder Umdeutung zum Thema haben. Die niederländische Künstlerin Evelien Lohbeck verwandelt Bücher in etwas Neues, das Duo Tell No One macht aus zwei Armen in der Strömung wehendes Seegras. In beeindruckenden Bildern befasst sich "Synesthesia" mit den menschlichen Sinnen: Musik wird gegenständlich, Nahrung hörbar, eine Schallplatte schmeckt grün. Eine Melodie entdeckt Jarbas Agnelli in Vögeln, die auf einer Stromleitung sitzen, Musik steckt auch im Garten der Mutter des Remixers Pogo.

In den Guggenheim Museen ist der faszinierende Querschnitt durch die moderne Videokunst nur noch bis Sonntag zu sehen, im Netz hingegen auch noch lange danach.

Die Gewinner der ersten YouTube-Biennale: www.youtube.com/play