Er ohne Job, sie mit reichem Mann

Wunderbares Wiedersehen mit Dominique Horwitz beim Gastspiel von Neil LaButes "Wie es so läuft" an den Kammerspielen

Hamburg. Der Schriftzug der US-Kaufhauskette "Sears" in Herbert Schäfers kaltem Bühnen-Schauraum setzt ein Signal. Neil LaBute, bekannt für seine so gut konstruierten wie nüchternen Paar- und Zeit-Analysen, verhandelt im Drei-Personen-Stück "Wie es so läuft" nicht nur alltäglichen Rassismus. Brutal und irritierend entlarvt der romantische Moralist auch den Umgang mit der Liebe als Ware und Tauschhandel in einer materialistischen Welt.

Torsten Fischer inszenierte die fatale Menage à trois mit einem glänzenden Darstellertrio 2008 am Wiener Theater in der Josefstadt. Die Koproduktion mit dem Renaissance-Theater Berlin feierte nun in den Kammerspielen Hamburg-Premiere: Ein Heimsieg für den beliebten Bühnen-Lokalmatador Dominique Horwitz.

Perfekt beherrscht sein "Mr. Comedy" das Spiel zwischen Moderation und Figur. Der gefeuerte Jurist erzählt die Geschichte seiner Liebe zu Belinda (Sandra Cervik). Nach 17 Jahren treffen sie sich in der Kleinstadt wieder. Er ohne Job und Heim. Sie mit reichem Mann und Kindern. Doch Belindas Ehe mit dem erfolgreichen Prestige-Schwarzen Cody Phipps ist kaputt. Zug um Zug offenbaren sich in bewährter ibsenscher Enthüllungstechnik die Lebenslügen zwischen den drei College-Mitschülern und den rivalisierenden Männern.

Nikolaus Okonkwo stellt das Klischee des Macho-Schwarzen aus, gibt seinem Baumarkt-King Cody jedoch eine ironische Ambivalenz: Ist er wirklich der eifersüchtige Othello? Oder spielt er ihn nicht vielmehr, um seine Frau besser betrügen und "schuldlos" an den Kumpel verkaufen zu können? Den Worten ist beim Jonglieren mit Lüge und Wahrheit nicht zu trauen. Der Schwarze Peter wird dem Publikum zugeschoben, es soll sich seine eigene Meinung bilden: über Deals in der Ehe und Rassismus. Was am unterhaltsam spannenden Abend nicht nur lustig ist.

Im English Theatre läuft bis 13. November die Originalfassung "This Is How It Goes" und bietet einen lohnenden Vergleich: Während Horwitz den Entertainer ausspielt, einen das Publikum anspringenden, erobernden Master of Ceremony, verfolgt Sean Browne in Clifford Deans Inszenierung eine vielleicht hinterhältigere Strategie: Er zieht die Zuschauer sanft mit bezwingend sympathischem Jungencharme ins Vertrauen. Dadurch wirkt er im Doppelspiel noch perfider, weil ihm das Publikum bereitwillig auf den Leim geht in diesem abgekarteten Spiel um Liebeshandel, Lüge, Wahrheit.

Wie es so läuft bis 7.11., Kammerspiele, Karten: T. 0800/413 34 40; This Is How It Goes bis 13.11., English Theatre, Karten: T. 227 70 89