Tim Fischers Verbeugung vor der Königin der Lakonie

Hamburg. Diesmal hat die Knef keine Federboa um den Hals. Sie trägt strengen, schwarzen Anzug. Aber der Gesang ist auch ohne die zum Klischee erstarrte Verkleidung intensiv, schmerzhaft, lakonisch. Tim Fischer, Chansonnier, selbst Bühnendiva, hat sich einen Traum erfüllt und verbeugt sich mit der Interpretation der Lieder und Gedichte Hildegard Knefs im St.-Pauli-Theater vor der Künstlerin, die im Dezember 85 Jahre alt geworden wäre.

Tief versinkt er im Kosmos der knefschen Lyrik, besingt Alltagsängste und Glücksmomente. Mal hauchend, dann wieder expressiv trägt Fischer Titel wie "Ich zieh mich an und langsam aus" oder "Ich bin zu müde, um schlafen zu gehen" vor. Pianist Rüdiger Mühleisen, Gitarrist Ralf Templin und Cellist Sebastian Selke flankieren den Sänger zurückhaltend. Vor ausverkauftem Haus legt Fischer immer wieder seine Hand aufs Herz. Eine Geste aus purem Pathos. Sie hätte bestimmt auch der Knef gefallen.

Tim Fischer singt ein Knef-Konzert 1.10., 20.00, St.-Pauli-Theater, Spielbudenplatz 29-30, T. 47 11 06 66; www.st-pauli-theater.de